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Sextortion: Erpressung mit intimen Aufnahmen

Im Internet kann man fast überall von Unbekannten angesprochen werden: in Sozialen Netzwerken wie Instagram oder TikTok, über Messenger wie WhatsApp oder in Online-Games wie Minecraft. Diese Virtuellen Orte sind wie öffentliche Plätze in der realen Welt, wo sich viele Menschen begegnen. Im Internet trauen sich manche Menschen allerdings viel schneller, andere anzusprechen oder anzuflirten. Viele der Gespräche sind interessant oder lustig und manchmal bilden sich online auch echte Freundschaften. Doch leider haben nicht alle User gute Absichten. 

 

Die klassische Sextortion-Masche

Der Begriff "Sextortion" setzt sich aus den Wörtern „Sex" und „Extortion" (engl. „Erpressung") zusammen. Durch Fake-Profile mit Bildern von sehr hübschen jungen Frauen oder Männern werden Internetnutzer:innen in Gespräche verwickelt. Kurz darauf werden sie in Video-Chats wie etwa Skype gelockt. Dann beginnt das Gegenüber damit, sich auszuziehen. Oft handelt es sich dabei aber nur um Videos, die abgespielt werden. In diesem Fall hat man es in Wirklichkeit also gar nicht mit der Person zu tun, die auf den Bildern zu sehen ist, sondern mit Betrüger:innen, die im Hintergrund agieren. 

Die Person in dem Video fordert das Gegenüber anschließend dazu auf, sich ebenfalls auszuziehen und/oder sexuelle Handlungen an sich selbst vorzunehmen. Lässt der oder die Betroffene sich zu intimen Handlungen hinreißen, ist er oder sie auf die Masche der Betrüger:innen reingefallen. Durch Mitschnitte oder Screenshots wird der Video-Chat dokumentiert und anschließend werden die Betroffenen mit diesen intimen Bildern oder Videos erpresst.

Aber auch, wenn das Opfer den Betrugsversuch rechtzeitig erkennt und nicht auf die Forderung eingeht, sich vor laufender Webcam auszuziehen oder freizügige Fotos von sich zu schicken, kann es zur Erpressung kommen. Die Täter:innen verwenden dann harmlose Videoaufnahmen aus dem bisherigen Chat, in denen das Gesicht der Betroffenen erkennbar ist und schneiden diese mit Aufnahmen sexueller Handlungen zusammen.

Das Ziel dieser Form von Sextortion ist es, Geld zu bekommen.

 

Weitere Formen von Sextortion

Neben dem Ziel, Geld zu erpressen, gibt es aber noch andere Beweggründe für Sextortion. So gibt es z.B. auch Erwachsene, die Kontakt zu Minderjährigen aufnehmen und diese nach und nach in sexuelle Gespräche und Handlungen verwickeln (Cybergrooming). Sie bitten dann irgenwann darum, dass die Kinder und Jugendlichen ihnen intimine Bilder von sich schicken. Damit erpressen sie die Betroffenen anschließend, fordern noch mehr Nacktaufnahmen oder zwingen die Betroffenen zu sexuellen Handlungen. Dabei handelt es sich um sexuellen Missbrauch! Das ist eine Straftat.

Und nicht immer sind es Unbekannte, die andere mit intimen Bildern oder Videos erpressen. Manchmal werden intime Aufnahmen auch von Bekannten genutzt, z.B. Ex-Freund:in oder Schulfreund:in, um sich an jemandem zu rächen oder jemanden zu mobben (Cybermobbing).

 

Schamgefühl als Druckmittel

Die Erpresser:innen drohen damit, die Aufnahmen in Sozialen Netzwerken zu veröffentlichen oder an Freund:innen und Eltern der Betroffenen zu verschicken, sollten sie nicht das tun, was von ihnen verlangt wird. Natürlich haben diese Angst und schämen sich. Das wird rücksichtslos ausgenutzt.

Klar ist: Diese Betrugsmasche ist verboten. Es ist nicht erlaubt, Bilder und Videos von anderen ins Netz zu stellen, die diese bloßstellen oder herabsetzen. Damit wird das Recht am eigenen Bild verletzt. Und natürlich ist auch die Erpressung an sich strafbar.

 

Was Du tun kannst, um Dich vor Sextortion zu schützen

  • Überprüfe deine Privatsphäre-Einstellungen: Überlege, welche Inhalte Du wirklich öffentlich machen willst. Erpresser:innen suchen nach Opfern, die viel von sich preisgeben. Denn so können sie später auch mit der Veröffentlichung privater Infos und intimer Bilder oder Videos drohen.
  • Wähle ein Profilbild, auf dem Du nicht eindeutig oder gar nicht zu erkennen bist: Profilbilder sind in den meisten Sozialen Netzwerken immer öffentlich sichtbar. Du kannst auch Landschaftsbilder oder Ähnliches als Profilbild nutzen.
  • Sei vorsichtig und vertraue nicht jedem: Du kennst die Menschen, mit denen Du chattest, nicht und solltest ihnen nicht alles glauben. Misstrauisch solltest Du spätestens dann werden, wenn eine fremde Person plötzlich anfängt, wild mit Dir zu flirten und schnell intim wird. Deine Offenheit, die grundsätzlich etwas Tolles ist, könnte so ausgenutzt werden. 
  • Achte auf Warnsignale: Die Betrüger:innen geben sich in den Fake-Accounts meist als sehr attraktive Personen aus. Außer der tollen Fotos gibt es allerdings kaum persönliche Informationen im Profil. Häufig sind die Betrüger:innen Mitglied in vielen einschlägigen Gruppen rund um die Themen Flirten und Dating.

 

Was Du tun kannst, wenn Du schon erpresst wirst

  • Ruhe bewahren. Atme erstmal durch. Es gibt eine Lösung für das Problem.
  • Kontakt abbrechen, blockieren und melden. Höre auf Dein Gefühl, wenn Dir etwas komisch vorkommt.
  • Beweise sichern. Mache am besten Screenshots vom Chat-Verlauf.
  • Keinesfalls das geforderte Geld zahlen. Die Erpresser:innen würden anschließend wahrscheinlich immer mehr Geld fordern.
  • Seitenbetreiber:innen kontaktieren. Falls Fotos und/oder Videos von Dir im Internet auftauchen sollten, lass die Inhalte entfernen.
  • Hole Dir Hilfe. Frage eine Vertrauenspersonen oder Beratungsstellen wie JUUUPORT um Rat. Du brauchst Dich nicht zu schämen, weil Du in eine Falle getappt bist – das ist auch schon vielen anderen auf ähnliche Weise passiert. Die Masche der Erpresser:innen ist nicht richtig, sogar gesetzlich verboten. Also, lass Dich nicht einschüchtern.
  • Schalte die Polizei ein und erstatte Anzeige. Erpressung ist strafbar und die Betrüger:innen sollten gestoppt werden, damit sie nicht noch andere erpressen.

 

Beispielhafte Beratungsanfragen

Aktuell bekommen unsere JUUUPORT-Scouts immer mehr Anfragen zum Thema Sextortion. Hier kannst Du sehen, wie beispielhafte Beratungsanfragen von Ratsuchenden aussehen. 

 

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