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Rechtsextremismus im Internet

Wie Rechtsextreme die Corona-Krise für ihre Propaganda nutzen 

Mit frei erfundenen Falschmeldungen und gezielter Propaganda verbreiten Rechtsextreme im Internet Hass gegen Minderheiten. Dabei nutzen sie zum Beispiel Online-Games, Soziale Netzwerke wie TikTok, Messenger wie Telegram und Podcasts, um junge Menschen anzusprechen. 

Die Corona-Krise ist für Rechtsextreme dabei ein Thema, das sie sich sofort zunutze gemacht haben. Denn Angst gehört zu rechtsextremer Propaganda dazu. Sie verbreiten Untergangsszenarien, Verschwörungsmythen und Rassismus. So wurden etwa asiatische Menschen angefeindet, da das Coronaviruserstmalig in China nachgewiesen wurde. Asiaten wurden allgemein als schuldig dargestellt und ihnen wurde fehlende Hygiene und vermeintlich „exotische“ Ernährungsweise als Ursache unterstellt. Damit nutzten die Rechtsextreme althergebrachte rassistische Stereotype. Auch Geflüchtete wurden attakiert: Die Aufforderung, Kontakte einzuschränken und zuhause zu bleiben, wurde so umgedeutet, dass auch flüchtende Menschen „zuhause“ – d.h. in ihren Herkunftsländern – bleiben sollen. Weitere Beispiele gibt es im aktuellen Bericht von jugendschutz.net.

Diese Formen der Propaganda ist gefährlich und muss entlarvt werden. Deshalb klären wir hier über die Strategien von Rechtsextremen im Netz auf.

Das Smartphone als Zugang zu jungen Menschen

Über das Smartphone sind junge Menschen nicht nur für ihre Freund:innen, sondern auch für rechtsextreme Propaganda immer und überall erreichbar. Rechtextreme nutzen gezielt Soziale Netzwerke, um jugendliche Internetnutzer:innen zu kontaktieren und ihre Ideologie zu streuen: über Online-Games, Apps, Videos, Podcasts, Messenger, Facebook, Instagram, TikTok, Hashtags und Memes. Die radikalen Inhalte werden mit jugendnahen Themen wie Hip-Hop oder Ernährungstrends verknüpft. Die fremdenfeindlichen Botschaften sind so nicht immer auch als solche erkennbar. Um eine hohe Reichweite für die Beiträge und Inhalte zu erzielen und Jugendliche für sich zu gewinnen, wird die rechtsextreme Ausrichtung bewusst getarnt. 

Die Nutzung Sozialer Netzwerke als Propaganda-Strategie

Jedes Soziale Netzwerk erfüllt eine andere Funktion im Hinblick auf die Gesamtstrategie der Rechtsextremen. Telegram kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Vor allem im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie hat der Messenger stark an Bedeutung dazugewonnen. "In den vielen, untereinander vernetzten Kanälen und Gruppen werden pro Tag zehntausende Inhalte verbreitet und weit über hunderttausend Nutzer:innen erreicht", heißt es im Bericht von jugendschutz.net.

Daneben sind Rechtsextreme auch auf Trendplattformen wie TikTok aktiv, wo sich sehr viele junge Menschen aufhalten. Hier verbreiten sie Songs bekannter Rechtsrockbands wie „Landser“ oder „Sleipnir“ ebenso wie neonazistische Balladen und rechtsextremen Rap. Auch typisch rechtsextreme Kleidung oder Deko sind in Kurzvideos zu sehen und es gibt einige Profilnamen mit rechtsextremen Zahlencodes wie „1488“ sowie Hashtags wie "#heimatliebeistkeinverbrechen".

Auf Instagram wird eine vermeintlich heile Welt dargestellt. Es geht etwa um Wertevermittlung, Tradition, Natur und Gemeinschaft. Offene rechtsextreme Bilder oder Statements findet man dabei zunächst nicht. Aber bei genauerem Hinsehen fällt die rechtsextremistische Ideologie auch hier auf. Fremdenhass und Nationalismus werden hier eher nebenbei, aber ganz bewusst verbreitet. Oft findet man auch Hashtags wie #Volk und #Heimatliebe oder bestimmte Nazi-Symbole.

Darüber hinaus wird auch die Gaming-Community für die Verbreitung rechtsextremistischer Propaganda genutzt. Es gibt sehr viele rechtsextreme und menschenverachtende Memes oder Videos, die dem Design bekannter Computerspiele nachempfunden sind. Darüber hinaus entwickeln Rechtsextreme auch eigene Games. Hier können Spielende zum Beispiel in die Rolle rechtsextremer Attentäter schlüpfe oder die Spiele wirken erstmal harmlos und verbreiten aber indirekt rassistisches Gedankengut.

In den letzten Jahren sind außerdem einige rechtsextremer Podcasts entstanden. Podcasts können eine persönliche Situation nachahmen. Rechtsextreme nutzen das, um eine Verbundenheit mit den Hörer:innen herzustellen. Was im Podcast behauptet wird, wirkt so glaubwürdiger. Dadurch können rechtsextreme Podcasts auf die Meinungsbildung junger Menschen Einfluss nehmen.

Nicht zuletzt sind auch Livestreams auf YouTube, DLive oder Twitch gern genutzte Dienste. Hier können Hass und Hetze in Echtzeit verbreitet werden. 

Fake News für hohe Klickzahlen

Vermeintliche Nachrichtenseiten sind für Rechtsextreme eine wichtige Bühne, um Hass im Netz zu schüren und Menschen zu radikalisieren. Dazu werden bewusst auch Fake News verbreitet, die oft große Reichweiten erreichen. Seriöse Medien werden dagegen immer wieder als "Lügenpresse" bezeichnet. Auch humorvolle Inhalte werden stark verbreitet, da diese oft geliked und geteilt werden. Viele Jugendliche werden so unwissend und ungewollt zu Unterstützer:innen der Rechtsextremen.

Zum Thema Fake News ist das Faltblatt „Achtung HINTERHALT! Rechtsextreme manipulieren im Social Web mit Nachrichtenseiten“ zu empfehlen.

Die Strategien von Rechtsextremen

Es gibt verschiedene rechtsextremistische Gruppierungen. Manche davon wenden sich an Jugendliche, die bereits Interesse an der rechten Szene haben und präsentieren sich als eingeschworene Gemeinschaft, sogenannte „Bruderschaften“. Männlichkeit, Kraft und gemeinsame Partys spielen hier eine große Rolle. Oft gibt es dabei Verbindungen zur Hooligan- oder Kampfsport-Szene und Logos, Kleidung und Rangabzeichen erinnern an Motorradclubs. Diese Gruppen haben Erfolg bei jungen Menschen, die sich nach Gemeinschaft sehnen.

Neuerdings gibt es auch sogenannte „Nipsters“ (Verbindung aus „Nazi“ und „Hipster“). Auch sie wenden sich an Jugendliche, die bereits in der rechten Szene aktiv sind und fahren eine klare Linie: keine Drogen, keinen Alkohol, Selbstdisziplin und Teilnahme an ideologischen Fortbildungen. Nach diesen Regeln sollen alle Mitglieder auch im eigenen Alltag leben. 

Getarnte Ideologie

Daneben gibt es auch noch Gruppen wie die „Identitäre Bewegung“. Mit modernen Bildern und scheinbar harmlosen Botschaften spricht sie junge Menschen an, die noch nichts mit der rechtsradikalen Szene zu tun haben und mit klassischen rechtsextremen Angeboten nicht zu erreichen sind. Sie präsentieren sich rebellisch und gleichzeitig harmlos. Eine freundliche Aufmachung der Seiten und Profile, alltägliche Themen und persönliche Ansprache sollen die Kontaktaufnahme zu Jugendlichen erleichtern. Die Mitglieder der Identitären Bewegung behaupten von sich, nicht rassistisch zu sein und verbreiten dennoch eine fremdenfeindliche Ideologie.

Auch die Jugendorganisationen rechtsextremer Parteien verschleiern ihre demokratie- und menschenverachtende Propaganda. Sie verpassen den Parteiauftritten einen jugendlichen Anstrich – mit sogenannter „Guerilla-Propaganda“: So besuchen sie zum Beispiel, als Hirsch verkleidet, Schulen und verbreiten anschließend die Videos zur Aktion unter dem Namen „Platzhirsch“ in den sozialen Netzwerken.

Eine weitere Strategie der Rechtsextremen für das Gewinnen neuer Anhänger, sind bestimmte Themenseiten, die auf den ersten Blick nicht mit ihrer Ideologie zusammenhängen. So nutzen Neonazis zum Beispiel das Thema „Tier- und Naturschutz“ für ihre Zwecke. Hitler wird dabei als Erfinder des Tierschutzes dargestellt und die menschenverachtende Ideologie der Rechtsextremisten wird hinter positiven Botschaften versteckt. Rechtsextreme Umweltschutzprofile im Netz produzieren gerne Memes mit niedlichen Tieren oder romantischen Wäldern, die von vielen Jugendlichen weiterverbreitet werden. Auch Themen wie Sport, Musik oder gesunde Ernährung (z.B. Food-Blogs) werden für die getarnte Propaganda genutzt.

Was tun bei Rechtsextremismus im Internet? Hilfe und Beratung!

Rechtsextreme wollen Hass gegen bestimmte Menschengruppen erzeugen. Manche Gruppen in sozialen Netzwerken verbreiten offen menschenverachtende Hetze und rufen zur Gewalt gegen Juden, Geflüchtete, Muslime, Sinti, Roma oder Homosexuelle auf. Damit handeln sie nicht nur moralisch falsch, sondern machen sich auch strafbar.

Wenn Du selbst rechtsextremistischen Inhalten begegnest, kannst Du Dich an Deine Eltern, die Schule oder an Beratungs- und Meldestellen wie Online-Beratung gegen RechtsextremismusHass im Netz oder jugenschutz.net wenden. Diese sind kostenlos und vertraulich. 

Und natürlich sind auch unsere JUUUPORT-Scouts für dich da! Schick ihnen einfach Deine Frage oder Dein Problem über unser Beratungsformular oder montags bis freitags von 18 – 20 Uhr via WhatsApp!

Mach Dich gemeinsam mit uns stark für ein respektvolles Miteinander und Toleranz im Netz!

 

Mehr zum Thema Rechtsextremismus im Netz

Jugendschutz.net zeigt im "Bericht Rechtsextremismus im Netz" (2020/21) anhand vieler Beispiele, wie Rechtsextreme das Internet für ihre Zwecke instrumentalisieren. Er beleuchtet die Methoden, mit denen sie vor allem junge User:innen ansprechen. 

Für Kinder und Jugendliche können rechtsextreme Onlineangebote eine Gefährdung bzw. Beeinträchtigung ihrer Entwicklung nach sich ziehen. Zu ihrem Schutz sind schnelle und effektive Maßnahmen notwendig.

 

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