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Hass im Netz – geht gar nicht!

Ob bei Instagram, TikTok, YouTube, Facebook oder Twitter: Hasskommentare sind weit verbreitet und gehören mittlerweile fast schon zur Normalität. Das ist ein erschreckender Trend, der viele Fragen aufwirft: Woher stammt die Wut, warum wird online so stark gehetzt und was kann man dagegen tun? 

 

Wer kennt das nicht: Ein wirklich gutes YouTube-Video bekommt viele beleidigende Kommentare, die sich auf die Herkunft oder die Hautfarbe des YouTubers beziehen. Der Inhalt des Videos scheint niemanden mehr zu interessieren ...

Egal ob auf Instagram, YouTube oder Twitter – in jedem sozialen Netzwerk lassen sich feindselige Kommentare oder Posts finden. Beleidigungen und Shitstorms beziehen sich oft auf einzelne Personen, die von anderen Nutzer*innen abgelehnt werden. Hassreden nehmen hingegen ganze Menschengruppen ins Visier, um diese gezielt herabzuwürdigen.

 

Was genau ist eigentlich Hate Speech?

Hate Speech (englisch für Hassrede) ist eine Form von digitaler Gewalt, die über Texte, Bilder und Videos verbreitet wird. Bestimmte Gruppen von Menschen werden so beleidigt, bedroht und verachtet.

Die Abwertungen durch andere Nutzer*innen beziehen sich auf die Hautfarbe, den Glauben, die Herkunft (Rassismus), das Geschlecht (Sexismus/Transphobie) oder die sexuelle Orientierung (Homophobie) dieser Gruppen. Auch Menschen mit Behinderung sind von Hate Speech betroffen.

Hass im Netz hat viele Gesichter. Manche Nutzer*innen lassen ihren Hassreden in Tweets und Posts freien Lauf. Aber auch die Kommentarzeilen unter YouTube-Videos oder Instagram-Bildern bleiben nicht verschont.

In sozialen Netzwerken, wie z.B. Facebook, werden Gruppen gegründet, um die Abneigung gegenüber bestimmten Menschengruppen unter Gleichgesinnten zum Ausdruck zu bringen. Nicht selten werden auch Hashtags erfunden, um eine Gruppe abzuwerten.

Hate Speech kann sich direkt äußern, z.B. in eindeutig rassistischen Kommentaren. Aber manchmal sind Hassreden nicht auf den ersten Blick zu erkennen.

 

Merkmale von Hate Speech

Inhalt und Ton des Posts sind aggressiv und herabwürdigend

Es werden Verallgemeinerungen benutzt, z.B. „Alle Flüchtlinge sind…“.

Fakten werden ausgeblendet und somit Falschaussagen verbreitet,
die die Realität verzerrt darstellen, z.B. „Homosexualität ist eine Krankheit, die geheilt werden kann“.

Zwei Gruppen werden einander gegenübergestellt:
„Wir“ und „Die“.

Bestimmte Gruppen werden entmenschlicht, z.B. Flüchtlinge als Parasiten.
und noch einige mehr…

 

Warum gibt es Hass im Netz?

Es gibt viele Gründe für Hate Speech. Die Wut über politische Entscheidungen oder die Angst vor gesellschaftlichen Veränderungen können eine*n Nutzer*in dazu treiben, hasserfüllte Kommentare zu posten.

Auch durch Unwissenheit können sich Nutzer*innen von Vorurteilen und Falschaussagen im Netz beeinflussen lassen und selbst zu Hater*innen werden.

Manchmal sorgen NeidLangeweile oder ein falsches Verständnis von Spaß für die Beteiligung an Hassreden.

Hate Speech ist auch ein Mittel zur Machtdemonstration. Durch die Abwertung einer anderen Gruppe kann man sich selbst besser fühlen.

 

Was im Netz passiert, bleibt im Netz – oder doch nicht?!

Anfeindungen im Netz sind für die Betroffenen sehr verletzend. Ihr Selbstwertgefühl kann stark darunter leiden. Doch Hate Speech sorgt nicht nur in sozialen Netzwerken für ein feindliches Klima.

Diese Form von digitaler Gewalt ruft ernste gesellschaftspolitische Probleme hervor, die unser friedliches Zusammenleben auch offline beeinflussen.

Im Netz verbreitete Vorurteile und Gerüchte können im realen Leben zu Ausgrenzungen und Gewalttaten führen.

 

Aber das ist doch meine Meinung …

Grundsätzlich darf natürlich jede*r sagen, was er oder sie denkt. Wir haben das Recht auf Meinungsfreiheit.

Es gibt allerdings Ausnahmen: Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention besagt, dass durch eine freie Meinungsäußerung die Würde eines anderen Menschen nicht verletzt werden darf! Dieser Artikel hilft dabei, bestimmte Fälle von Hate Speech auch in Deutschland zu verbieten. 

Hate Speech ist also strafbar. Dabei ist es egal, ob die Hassreden offline oder online stattfinden.

Das deutsche Strafgesetzbuch (StGB) enthält einige Paragraphen, die bei Hate Speech wirksam werden können, z.B.: § 130 (Volksverhetzung), § 185 (Beleidigung), § 186 (üble Nachrede), § 187 (Verleumdung).

Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) regelt die Handhabung von Hass im Netz. Das Gesetz zieht große soziale Netzwerke, wie Facebook oder Twitter, stärker in die Verantwortung. Wenn Nutzer*innen hier „offensichtlich rechtswidrige Inhalte“ wie Beleidigungen oder menschenverachtende Posts melden, müssen diese innerhalb von 24 Stunden gelöscht werden. Ansonsten drohen den Plattformbetreibern hohe Geldstrafen.

 

Das Netz eignet sich besonders gut für Hassreden

Viele Nutzer*innen sind der Meinung, dass online andere Regeln gelten als im realen Leben. Im Netz fühlen wir uns unsichtbar. Wir müssen anderen Nutzer*innen nicht in die Augen sehen, wenn wir etwas über sie posten.

Oft haben wir deshalb weniger Angst vor Konsequenzen und sagen oder schreiben Dinge, die wir im echten Leben lieber für uns behalten würden.

Einzelne Posts können sich durch viele aktive Nutzer*innen wie ein Lauffeuer verbreiten. Auch Hasskommentare machen so schnell die Runde und erreichen viele Menschen.

 

Auch Du kannst etwas dagegen tun – mit Deinem Verhalten im Netz!

Für einen fairen Umgang im Netz zählt das Verhalten jedes einzelnen Nutzers. 
Du möchtest mit Deinem Online-Verhalten dazu beitragen, dass es weniger Hass im Netz gibt? 
Hier sind einige Tipps!

 

Hass im Netz reduzieren: Das kannst Du tun!

  • Sei kein Mitläufer!
    Like oder Teile keine Hasskommentare. Denn gerade die schnelle Verbreitung im Netz macht Hate Speech so gefährlich. Vertrete Deine eigene Meinung und lass Dich nicht von jedem Kommentar beeinflussen, der Dir online über den Weg läuft.
  • Erst denken – dann posten!
    Achte selbst darauf, ob Du einen fairen Umgangston im Netz verwendest und prüfe vor dem Enter-Klick, ob Dein Post jemanden verletzen könnte.
  • Werde aktiv!
    Mache anderen Nutzer*innen klar, auf welcher Seite Du stehst. Das beste Mittel gegen Hate Speech ist Counter Speech (englisch für Gegenrede). Wenn Du einen Hasskommentar entdeckst, kannst Du ihn für andere Nutzer*innen eindeutig benennen, z.B. als "rassistisch" oder "fremdenfeindlich".
    Du kannst Hater*innen auf ihre Posts ansprechen und nachfragen, warum er oder sie so denkt. Es ist allerdings wichtig, dass Du Dein "Dislike" ohne "Diss" zum Ausdruck bringst. Wir wollen den Hass im Netz schließlich nicht verstärken.
  • Setze Dein Zeichen gegen Hass im Netz!
    Es gibt immer wieder tolle Aktionen gegen Hass im Netz. Auch hier bei JUUUPORT. Mach mit und engagiere Dich gegen Ausgrenzung und Diskriminierung!

Ich bekomme Hasskommentare: Wie gehe ich damit um?

  • Ruhe bewahren!
    Nimm Hasskommentare nicht persönlich.
    Am besten ignorierst Du diese Posts und Kommentare und antwortest nicht darauf. Denn das provoziert viele Hater*innen nur noch mehr. Wir zeigen Dir andere Wege, Dich gegen Hass im Netz zu wehren.
  • Hater blockieren!
    In sozialen Netzwerken kannst Du andere Nutzer*innen blockieren, damit Du Ruhe vor ihnen hast. Hasskommentare solltest Du auf der Plattform melden, damit sie gelöscht werden. Bei Saferinternet.at findest Du Anleitungen für Instagram, YouTube & Co.
  • Hilfe holen!
    Hasskommentare können sehr belastend sein. Behalte sie nicht für Dich, sondern wende Dich damit an Deine Eltern, Lehrkräfte oder an andere Vertrauenspersonen.

Mit Hashtags wie #nohatespeech, #idonthate, #respektimnetz oder #netzohnehass kann sich jede*r Einzelne gegen Hass und für Toleranz im Netz einsetzen.

In diesem Sinne: Macht euch gemeinsam mit uns stark für eine freie, tolerante und respektvolle Gesellschaft, die dem Hass die Stirn bietet! 

 

Du willst mehr zu diesem Thema Hass im Netz erfahren?

Unser Online-Seminar "Haters gonna hate!? – Hass in der digitalen Kommunikation" hält viele weitere Informationen und Tipps für Dich bereit!

Außerdem geht die Kampagne BITTE WAS?! Kontern gegen Fake & Hass kreativ gegen Hass im Netz vor. Sie klärt auf und weckt ein Bewusstsein für Fairness, ein respektvolles Miteinander und gegen sinnlosen Hass. 

 


 

Quellen:

"Hate Speech - Hass im Netz. Informationen für Fachkräfte und Eltern" AJS, LfM (2016).
"Bookmarks. Bekämpfung von Hate Speech im Internet durch Menschenrechtsbildung" Europarat (2017).
"Geh sterben! - Umgang mit Hate Speech und Kommentaren im Internet" Amadeu Antonio Stiftung (2015).
"Hass in der Demokratie begegnen im Projekt >Medien in die Schule< - Materialien für den Unterricht."
Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. (2015).

iStock-Bilder:
istockphoto.com/youngID
istockphoto.com/jnaas
istockphoto.com/gustavofrazao

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