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Sexting und der Missbrauch intimer Aufnahmen

Viele junge Menschen verschicken über Messenger und Apps wie WhatsApp oder Snapchat sogenannte Nudes, also Nacktfotos oder Nacktvideos. Das nennt man Sexting. Erstmal ist daran nichts auszusetzen, viele Menschen machen das. Du solltest aber nur erotische Fotos und Videos von Dir verschicken, wenn Du das selbst möchtest. Lass Dich von anderen nicht dazu drängen oder unter Druck setzen. Leider kommt es auch öfter vor, dass intime Aufnahmen ungewollt weiter verschickt werden. Deshalb ist es wichtig, beim Sexting ein paar Dinge zu beachten.

Wir geben Dir Tipps für Safer Sexting und zeigen Dir, was zu tun ist, wenn ein Nacktfoto von Dir ungewollt im Netz landet.

 

Was ist „Sexting“?

Unter Sexting (engl. „sex“ + „texting“) versteht man den Austausch zu sexuellen Themen in Messengern oder Apps. Sexting findet zum Beispiel bei WhatsApp, Snapchat oder Facebook statt. Zum Sexting gehört neben den intimen Textnachrichten auch das Verschicken von Nacktfotos und Nacktvideos.

  • Sexting findet oft innerhalb von Liebesbeziehungen statt, um sexuelle Nähe auszutauschen.
  • Sexting stellt auch eine Möglichkeit dar, sich online sexuell auszuprobieren und unverbindlich zu flirten.

Manche Gründe für das Verschicken freizügiger Bilder sind aber auch problematisch – vor allem dann, wenn Dich jemand unter Druck setzt, um intime Fotos/Videos von Dir zu bekommen. 

 

Beispiel Sexting

Uns erreichen viele Fragen zum Thema Sexting. So kann eine beispielhafte Beratungsanfrage aussehen:

Hallo liebe Scouts, ich habe vor ein paar Wochen Nacktfotos für meinen Exfreund gemacht. Mittlerweile sind wir nicht mehr zusammen ... Er war ziemlich sauer, nachdem ich Schluss gemacht habe. Jetzt hat er meine Nackbilder an andere Leute aus unserer Schule verschickt. Ich habe ihn mehrfach gebeten, die Fotos zu löschen, aber er reagiert nicht auf meine Nachrichten. Das macht mich echt fertig. Ich hatte ihm die Nacktbilder im Vertrauen geschickt ... Was soll ich jetzt tun?

Unsere JUUUPORT-Scouts antworten innerhalb von 48 Stunden auf Anfragen von Ratsuchenden und geben ihnen Tipps, was sie in solchen Fällen tun können. Weitere Fragen zum Thema Sexting und die dazugehörigen Tipps von unseren Scouts findest Du in unserer Rubrik Eure Fragen.

 

 

 

Die Gefahren von Sexting

Sexting wird zum Problem, wenn das Vertrauen missbraucht wird und freizügige Aufnahmen unerlaubt weiterverschickt oder veröffentlicht werden.

Nacktfotos im Netz: Was ist Sextortion?

Auch die Erpressung mit sexuellen Inhalten (Sextortion) kommt leider viel häufiger vor, als man denkt. Hier ein Beispiel von einer Beratungsanfrage zum Thema Sextortion:

“Hey, ich habe einem Jungen, den ich online kennengelernt habe, Bilder von mir im BH geschickt. Nun erpresst er mich und hat gesagt, wenn ich nicht alles tun würde, was er will, würde er die Bilder auf Instagram hochladen. Bitte helft mir!” 

Sexting Fotos und Videos können auch nach dem Ende einer Beziehung als Racheakt weiterversendet werden – und das auch noch Jahre später! Das unerlaubte Weiterleiten oder Teilen intimer Bilder kann außerdem zu Cybermobbing führen.

Sexting Tipps

Das Verschicken von intimen Bildern ist immer mit Risiken verbunden. Man kann sich nie sicher sein, ob das intime Foto/Video am Ende nicht doch in den falschen Händen landet. Wenn Du auf Nummer sicher gehen willst, solltest Du Folgendes beachten:

✓ Frage Dich zuerst, ob die Person, der Du das Nude schicken willst, das überhaupt auch möchte. Ihr solltet es beide wollen. Es kann nämlich auch sein, dass jemand sich durch ein zugesendetes Nackbild belästigt fühlt.

✓ Schicke erotische Aufnahmen nur Leuten, die Du wirklich kennst und denen Du 100% vertraust.

✓ Verschicke intime Aufnahmen am besten nur, wenn man Dein Gesicht nicht erkennt. 

✓ Achte darauf, individuelle Merkmale wie z.B. Tattoos und Muttermale mit einem Bildbearbeitungsprogramm oder einer entsprechenden App zu entfernen. 

✓ Fotografiere Dich vor einem neutralen Hintergrund, der keine Rückschlüsse auf Dich oder Deine private Umgebung gibt.

✓ Besser die Bilder zeigen statt schicken.

Weitere nützliche Infos und Tipps findest Du auf der auf der Seite safer-sexting.de

Betroffene von Sexting (Zahlen & Fakten)

  • Jede*r Zweite zwischen 14 und 18 Jahren kennt jemanden, der*die Nacktaufnahmen von sich an andere verschickt hat.
  • Ein Drittel (33%) der Jugendlichen hat schon einmal intime Bilder zugeschickt bekommen.
  • Knapp 1/5 der Jugendlichen hat schon einmal Nacktaufnahmen von sich erstellt und weiterverschickt.

Etwa die Hälfte der Befragten kennt eine Person, die negative Erfahrungen mit dem Versenden von Nacktbildern gemacht hat:

  • Intime Bilder wurden im Freundeskreis verbreitet (81%).
  • Die Folge davon war (Cyber-)Mobbing (55%).
  • Die intimen Aufnahmen wurden veröffentlicht (49%).
  • Die Person wurde mit den Nacktbildern erpresst (14%).

Auch wenn das Versenden von intimen Fotos & Videos in den meisten Fällen gut geht: Wir können sicher sein, dass der Trend seit 2015 zugenommen hat und die Zahlen heute viel höher sind.

(Quelle: Saferinternet.at)

Ist Sexting / Sextortion strafbar?

Generell gilt: Ohne die Einwilligung der abgebildeten Person/en ist die Veröffentlichung und Weitergabe von intimen Fotos oder Videos eine Straftat. Nur weil Du eine intime Aufnahme einer Person geschickt hast, gibt das ihr noch lange nicht das Recht, sie weiterzuleiten.

Der Missbrauch intimer Fotos/Videos ist nach den folgenden Paragraphen des Strafgesetzbuchs (StGB) strafbar:

Außerdem ist der Besitz, das Weiterleiten und Veröffentlichen von Kinder- und Jugendpornografie strafbar! Mehr Infos dazu findest Du hier und 

 

Hilfe bei Sextortion

Dein Vertrauen ist von Menschen, die Dir nahe stehen oder nahestanden, missbraucht worden. Wie unangenehm und demütigend das sein kann, liegt auf der Hand. Aber sich selbst Vorwürfe zu machen nützt im Nachhinein wenig. So etwas passiert viel mehr Menschen, als Du denkst!

Doch was kannst Du tun, wenn jemand ungefragt ein intimes Foto/Video von Dir veröffentlicht hat oder Dich damit erpresst? Zunächst einmal: ruhig bleiben. Nur die Person, die intime Inhalte missbraucht, hat Schuld, nicht der*die Versender*in!

 

1. Mache Screenshots der Fotos/Videos und Chatverläufe. Sie können später als Beweise dienen, falls Du zur Polizei gehst.

2. In sozialen Netzwerken kannst Du das Bild melden, damit es gelöscht wird.

3. Du kannst außerdem die Betreiber*innen der Website kontaktieren. Sie sind rechtlich dazu verpflichtet, Deiner Aufforderung nachzukommen und das Bild zu entfernen.

4. Kennst Du die Person, die ungefragt ein Foto/Video von Dir hochgeladen hat, solltest Du sie auffordern, es wieder zu löschen.

5. Weigert sich die Person, kannst Du Dich an die Polizei wenden und gegen sie Anzeige erstatten. Denn der Missbrauch intimer Inhalte ist eine Straftat.

6. Auch wenn es schwerfällt – die Eltern sollten ab einem bestimmten Punkt eingeschaltet werden.

7. Wenn Dir die Situation doch zu unangenehm ist, kannst Du uns JUUUPORT-Scouts in unserer Online-Beratung vertraulich und kostenlos um Rat fragen. Wir sind für Dich da, damit Du Dich nicht allein gelassen oder schuldig fühlst!

Victim Blaming – Wer hat Schuld?

„Victim Blaming“ bedeutet übersetzt Täter-Opfer-Umkehr. Das heißt, dass die Schuld dem Opfer in die Schuhe geschoben wird, obwohl sein*ihr Vertrauen durch andere missbraucht wurde – nach dem Motto: „Selbst schuld, wenn Du jemandem Nacktfotos schickst! Dann kannst Du Dich auch nicht beklagen, dass sie im Netz landen!“

Vor allem tragen diejenigen die Verantwortung, die intime Inhalte weiterleiten und teilen! Leider suchen Betroffene aber häufig die Ursachen bei sich selbst, was zu Scham, Rückzug und selbstverletzendem Verhalten führen kann. Deswegen ist es super wichtig, Betroffene zu unterstützen & ihnen zur Seite zu stehen!

 

Die Gefahren, die mit Sexting einhergehen, liegen auf der Hand und werden trotzdem oft unterschätzt. Denk vor dem Verschicken von Nacktfotos und -videos also immer auch an mögliche Folgen.

 

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