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Heißes Eisen: Was unsere Scouts zum Netflix-Hit "Squid Game" sagen

Die südkoreanische Serie "Squid Game" ist die erfolgreichste Netflix-Produktion überhaupt. Nicht nur deswegen wird sie aktuell heiß diskutiert. Zu sehen gibt es viele brutale, blutige und angsteinflößende Szenen. Auf Schulhöfen werden manche davon nachgespielt, und das sogar schon in der Grundschule. Freigegeben ist die Serie von Netflix ab 16 Jahren. Für manche ist diese Einordnung sogar noch zu niedrig angesetzt.

 

Aber worum genau geht es eigentlich? Über 400 verschuldete Menschen treten in Kinderspielen gegeneinander an. Es winkt ein extrem hohes Preisgeld, das all ihre Probleme lösen würde. Allerdings gibt es einen makabren Haken: Wer verliert, wird sofort getötet.

 

In der Öffentlichkeit hört man zu "Squid Game" vor allem kritische Stimmen von erwachsenen Expert*innen wie Psycholg*innen oder Medienpädagog*innen. Aber was sagen junge Menschen selbst zu der Serie? Wir haben unsere Scouts Kevin (21) und Dominik (18) dazu interviewt.

 

Hallo Kevin und Dominik. Ihr habt die Serie gesehen. Wie hat sie Euch gefallen?

Kevin: Die Serie hat mir sehr gut gefallen. Meiner Meinung nach ist es die beste Serie, die ich bisher geguckt habe ^^.

Dominik:"Squid Game" war für mich als „erwachsenen“ Menschen durchaus sehr interessant, vor allem im Hinblick auf die zwischenmenschlichen Aspekte.

 

Ist (oder war) "Squid Game" in Eurem Freundes- und Bekanntenkreis ein großes Thema? 

Kevin: Auf jeden Fall! Wir haben viele Stellen im Film heiß diskutiert. Von den Entscheidungen der einzelnen Charaktere, bis hin zu Strategien, bestimmte Spiele gewinnen zu können. Es war auch sehr interessant, das Verhalten und die Motive der Charaktere zu analysieren. Die Serie bietet jedenfalls sehr viel Gesprächsstoff.

Dominik: Es wurde tatsächlich viel darüber geredet, jede*r von uns hatte die Serie gesehen und wir haben uns über die Eindrücke ausgetauscht und Meinungen verglichen.

 

Gibt es bestimmte Szenen, die Euch Angst gemacht haben oder zu heftig waren?

Kevin: Also, Angst gemacht oder „zu heftig“ war keine Szene für mich persönlich. Was Darstellungen anging, hielt es sich alles in einem gewissen Rahmen auf, mit dem ich gut klargekommen bin. Das „Schlimmste“, was mir so einfallen würde, wäre der Handel von Organen der ausgeschiedenen Teilnehmer, da hier schon sehr viel gezeigt wurde. Emotional sehr berührt hat mich die Folge mit den Murmeln. Die fand ich in dem Sinne „heftig“, als dass es gezeigt hat, wie die Hauptcharaktere in Extremsituationen reagiert haben.

Dominik: Heftige Szenen gab es durch die ganze Serie hindurch, denke ich. Vor allem die Brutalität war ziemlich erschreckend.

 

Denkt Ihr, dass manche Szenen Kindern oder Jugendlichen Angst machen oder sie verstören könnten?

Kevin: Ich bin mir sicher, dass das der Fall ist. Die Serie behandelt viele verschiedene, dunkele Themen und zeigt zudem noch gewalttätige Szenen.

Dominik: Da bin ich mir zu hundert Prozent sicher. Es sind viel Blut und Gewalt zu sehen, auch die eine oder andere zweideutige Szene ist eingebaut. Also beantworte ich das klar mit einem „Ja“.

 

Gibt es bestimmte Szenen, die Ihr besonders gelungen findet?

Kevin: Wie eben gesagt, fand ich die „Murmel-Folge“ emotional. Die Stelle, wo der Opa so getan hat, als hätte er Gedächtnisverluste, und der Hauptcharakter ihn dann ausgenutzt hat, war sehr gut gemacht. Es zeigte die Verzweiflung in den Menschen, die sich in solchen Extremsituationen befinden.

Dominik: Für mich persönlich war die ganze Serie sehr gut gelungen, die Emotionen wurden eigentlich immer sehr gut übertragen, die Handlung war recht durchsichtig, es gab wenige „Hä!?“-Momente. Besonders gelungen fand ich eigentlich die zwischenmenschlichen Aspekte der Serie.

 

Ist die Altersfreigabe ab 16 Jahren von Netflix aus Eurer Sicht gerechtfertigt?

Kevin: Ja. Ich bin der Meinung, dass jeder ab einem gewissen Alter selbst dazu in der Lage ist, zu entscheiden, was man sich angucken kann, und was nicht. Ich persönlich konnte mit 15 gut entscheiden, was ich gucken konnte, ohne danach zu meinen Eltern ins Bett zu kriechen ^^. Letztendlich ist die Altersfreigabe auch nur eine Empfehlung. Ich kenne Leute, die über 20 sind und Angst vor der Serie hatten. Deshalb ist es unmöglich eine perfekte, Grenze finden zu können.

Dominik: Durch die zweideutigen Szenen und die Gewaltverherrlichung ein klares „Nein“. Die Serie wurde von der FSK bisher aber nicht geprüft.

 

Schon Grundschüler*innen schauen die Serie. Eure Meinung dazu?

Kevin: Sehr jungen Leuten ist es nicht wirklich möglich, einzuschätzen, was sie gucken können und was nicht. Hier müssen vor allem die Eltern eine Entscheidung treffen, ob die Kinder Realität und Fiktion schon gut genug auseinanderhalten können und diese nicht durch explizite Szenen verstört werden. Vermutlich ist dieser Teil an Kindern in dem Alter verschwindend gering. Wenn sie es heimlich gucken (also ohne, dass die Eltern es wissen), sind es ihre eigenen Erfahrungen, die sie machen und aus denen sie lernen. Problematisch wird es aber dann, wenn eine Art Gruppenzwang die Kinder zu etwas bringt, wofür sie selbst noch nicht bereit sind. Wenn man die Serie nur guckt, um mitreden zu können, obwohl man noch lange nicht bereit dazu ist, die Serie gucken zu können, dann ist das etwas, wo ich nicht hinter stehen kann.

Dominik: Ein absolutes No-Go.

 

Was sagt Ihr zu der Tatsache, dass bestimmte (gewaltvolle) Szenen auf dem Schulhof nachgespielt werden?

Kevin: In dem Kontext der Serie klingt es vielleicht extrem, aber wenn ich die Frage so höre, finde ich es absolut normal. Als ich zur Grundschule gegangen bin, haben viele Leute Dragon Ball Z geguckt, und wir haben deren gewalttätige Kämpfe nachgestellt. Oder wir haben uns wie Beyblades gedreht und sind gegeneinander gelaufen. Solange alles fair bleibt und jetzt nicht eine Gruppe von Kindern ein einzelnes fertig macht, oder niemand bleibende Schäden davon trägt, sehe ich keine Bedenken, solche Szenen nachzustellen.

Dominik: Durch meine Tätigkeiten beim Rettungsdienst haben wir leider auch schon den einen oder anderen Einsatz deswegen an Schulen gehabt. Es kam oft zu (heftigeren) Verletzungen von Schüler*innen.

 

Denkt Ihr, jemand könnte ausgegrenzt oder gemobbt werden, weil er oder sie die Serie nicht kennt bzw. nicht anschauen will?

Kevin: Definitiv. Das ist, wie ich auch vorher schon gesagt habe, meine größte Sorge. Man sieht ja, dass die Serie auf Schulhöfen thematisiert werden (z.B. indem Szenen nachgestellt werden). Wenn jemand die Szenen nicht kennt, kann er oder sie sich nicht wirklich beteiligen und ist schon fast gezwungen, die Serie zu gucken.

Dominik:  Ja, ich denke, das gibt es durchaus.

 

Was würdet Ihr Jugendlichen und jungen Erwachsenen mitgeben wollen, bevor sie die Serie schauen?

Kevin: Seid Euch im Klaren, dass die Serie dunkele Themen behandelt und gewalttätige Szenen beinhaltet. Wenn Ihr Euch kein Blut und keinen Mord anschauen könnt, dann schaut Euch diese Serie lieber nicht an. Im Idealfall fragt Eure Eltern und schaut die Serie mit ihnen zusammen. Dann könnt Ihr direkt mit einer Bezugsperson über bestimmte Szenen sprechen.

Dominik: Schaut sie Euch nur an, wenn Ihr mit Blut, Toten und Gewalt umgehen könnt.

 

Hättet Ihr Euch gewünscht, jemand hätte Euch vorher vor der Serie "gewarnt“?

Kevin: Nein. Ich kenne meine eigenen Grenzen ganz gut.

Dominik: Nein. Ich wusste, auf was ich mich einlasse.

 

Und zum Schluss: "Squid Game" – Empfehlung oder nicht?

Kevin: Ja! Die Serie hat ihren Hype meiner Meinung nach verdient. Diese emotionale Bindung, die man zu den Charakteren aufbaut, ist einfach genial, und bei jedem Spiel fragt man sich: „Wer ist der Nächste?“

Dominik: Für Menschen über 16 (oder lieber 18) klare Empfehlung, für jüngere eher nicht.

Vielen Dank für das Interview!


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