Das erste Foto am Strand, der lustige Schnappschuss aus dem Familienurlaub oder das Bild vom ersten Schultag: Viele Eltern teilen Fotos ihrer Kinder online. Dahinter steckt keine böse Absicht: Die Bilder sollen Erinnerungen festhalten oder mit Familie und Freund:innen geteilt werden.
Doch Kinderfotos im Internet können Folgen haben – und zwar oft länger, als vielen Erwachsenen bewusst ist.
Was ist Sharenting?
Der Begriff „Sharenting“ setzt sich aus den englischen Wörtern „share“ (teilen) und „parenting“ (Erziehung) zusammen. Gemeint ist das Veröffentlichen von Fotos, Videos oder persönlichen Informationen über Kinder durch ihre Eltern oder andere Bezugspersonen.
Dabei entstehen häufig digitale Spuren, lange bevor Kinder selbst entscheiden können, ob sie überhaupt im Internet sichtbar sein möchten.
Kleiner Exkurs: Was verrät dieser Social Media Post?

Auf den ersten Blick zeigt das Bild nur einen schönen Moment: die Einschulung eines Kindes. Bei genauerem Hinsehen werden jedoch viele persönliche Informationen sichtbar:
🔍 Der Vorname des Kindes (Sofia)
🔍 Das Gesicht des Kindes
🔍 Die Schule, die es besucht
🔍 Das ungefähre Alter des Kindes
🔍 Der Zeitpunkt der Einschulung
🔍 Das Aussehen und die Kleidung des Kindes
Jede einzelne Information mag harmlos wirken. Zusammengenommen entsteht jedoch ein sehr detailliertes Profil.
Das eigentliche Problem
Nicht nur das Gesicht ist sichtbar.
Das Foto verrät gleichzeitig:
Wer das Kind ist.
Wo es regelmäßig anzutreffen ist.
Wie es aussieht.
Wie alt es ungefähr ist.
Deshalb sollten Eltern und andere Bezugspersonen genau überlegen, welche Informationen sie über Kinder im Internet veröffentlichen.
Warum kann das problematisch sein?
Menschen mit schlechten Absichten könnten solche Informationen missbrauchen. Stell dir vor, eine fremde Person kennt bereits:
- den Namen des Kindes,
- die Schule,
- das Aussehen,
- und möglicherweise weitere Informationen aus anderen Social-Media-Posts.
Dann könnte sie das Vertrauen des Kindes gezielt ausnutzen: „Hallo Sofia! Ich bin ein Freund von deiner Mama. Sie hat mich gebeten, dich heute abzuholen. Bis sie von der Arbeit kommt, gehen wir in den Zoo. Du liebst doch Tiere!“
Natürlich bedeutet ein einzelnes Foto nicht automatisch eine Gefahr. Doch je mehr Informationen über Kinder öffentlich verfügbar sind, desto leichter können Fremde Vertrauen aufbauen oder potentielle Täter:innen Kinder gezielt ansprechen.
Ein weiteres Problem: Einmal online ist die Reichweite kaum noch kontrollierbar
Ein Foto ist schnell hochgeladen. Doch sobald es online ist, kann es gespeichert, geteilt oder per Screenshot festgehalten oder für andere Zwecke entfremdet werden. Selbst wenn ein Beitrag später gelöscht wird, können Kopien weiterhin existieren. Wer die Bilder sieht oder weiterverbreitet, lässt sich nicht mehr kontrollieren.
Besonders problematisch wird es, wenn Kinder später selbst entscheiden möchten, welche Informationen über sie im Internet sichtbar sind, ihr digitaler Fußabdruck jedoch bereits lange vor ihrer eigenen Entscheidung entstanden ist.
Warum ein Emoji auf dem Gesicht dein Kind nicht schützt

Viele Eltern möchten die Privatsphäre ihrer Kinder schützen und überdecken das Gesicht auf Fotos mit einem Emoji oder einem Sticker. Auf den ersten Blick scheint das eine gute Lösung zu sein – doch sie bietet oft weniger Schutz als gedacht.
Auch wenn das Gesicht nicht sichtbar ist, verraten Fotos häufig viele weitere Informationen. Kleidung, Frisur, Körpergröße, besondere Merkmale oder der Aufnahmeort können ausreichen, um ein Kind wiederzuerkennen. Besonders dann, wenn bereits weitere Bilder oder Informationen über das Kind im Internet verfügbar sind.
Hinzu kommt: Moderne KI-Systeme können Bilder analysieren, Zusammenhänge erkennen und Gesichter nachbauen.
Ein Emoji macht ein Kinderfoto daher nicht automatisch anonym. Wer die Privatsphäre von Kindern schützen möchte, sollte möglichst auf erkennbare Aufnahmen verzichten und stattdessen Bilder wählen, auf denen Kinder gar nicht oder nur von hinten zu sehen sind.
So schützt du die Privatsphäre von Kindern
Wenn du Erinnerungen teilen möchtest, gibt es bessere Alternativen:
✔️ Fotos von hinten und möglichst weit weg aufnehmen
✔️ Gesichter nicht zeigen
✔️ Nur Hände, Füße oder andere Details fotografieren
✔️ Landschaften und Aktivitäten statt Personen in den Mittelpunkt stellen
✔️ Keine Namen, Standorte oder persönlichen Informationen veröffentlichen
✔️ Erinnerungen lieber privat mit Familie und ausgewählten Freund:innen teilen
Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre. Auch online!
Kinder sollten selbst entscheiden können, welche Bilder von ihnen im Internet auftauchen. Bevor du ein Foto postest, frag dich:
Würde mein Kind dieses Bild auch noch in einigen Jahren online sehen wollen?
Wenn du dir unsicher bist, ist die Antwort oft ganz einfach: Dann lieber nicht posten.
Du brauchst Unterstützung, weil Fotos von dir im Netz kursieren, die du nicht gepostet hast?
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