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Selbstoptimierung vs. Selbstliebe – Schönheitsideale im Internet

Schönheit spielt im Internet eine große Rolle: Überall findet man Fotos von tollen Körpern, Fitnessvideos oder Schminktipps. In Sozialen Netzwerken werden ganz bestimmte Schönheitsideale verbreitet, die Druck auf uns ausüben können. In unserem Ratgeber wollen wir uns das Thema mal genauer anschauen und auch ein paar Beispiele vorstellen, die sich diesen Trends auf kreative Weise entgegenstellen.

 

Welche Schönheitsideale gibt es bei Frauen und Männern?

Im Laufe der Zeit gab es schon ganz verschiedene Schönheitsideale. Mal galten üppige Rundungen als attraktiv, mal waren es sehr dünne Körper. Schönheitsideale unterscheiden sich auch zwischen Ländern und Kulturen. Das heißt, es gibt nicht das eine Schönheitsideal, es wandelt sich mit der Zeit und dem Ort – es handelt sich immer um einen gesellschaftlichen Trend.

In Deutschland gelten Frauen als schön, wenn sie sehr schlank sind, aber Rundungen an Brust und Po und volle Lippen haben. Außerdem sollen sie jung und fit sein. Vereinen Frauen diese Merkmale, gelten sie als sexy. Männer hingegen gelten allgemein als schön, wenn sie groß, muskulös und behaart sind.

In Afrika sieht z.B. das weibliche Schönheitsideal anders aus als in Europa. Zwar unterscheidet es sich nach Region und Kultur, aber üppige Rundungen gelten auf dem gesamten Kontinent als Symbol von Schönheit, Reichtum und Kraft. Schlanke Frauen gelten im Afrika eher als unattraktiv.

Die Tatsache, dass Schönheitsideale nichts Naturgegebenes, sondern immer im Wandel sind, kann uns den Druck und das Gefühl nehmen, diesem Bild entsprechen zu müssen. Schönheit liegt am Ende im Auge des Betrachters/der Betrachterin und kann von der Norm abweichen.

Vor allem Frauen wurden über Jahrhunderte stark über ihr Äußerliches bewertet. Anmut, Schönheit und Tugend waren lange Zeit entscheidende Erwartungen an Weiblichkeit, bei Männern zählten dagegen Vernunft, Mut und Aktivität. Dieses Ungleichgewicht wirkt bis in die heutige Zeit nach. Allerdings spüren mittlerweile auch immer mehr Männer den Druck heutiger Schönheitsideale. 

 

Influencer:innen als Beispiele heutiger Schönheitsideale 

Zu groß, zu klein, zu dick, zu dünn, zu wenig Oberweite, zu wenig Muskeln … Das Idealbild von menschlichen Körpern in Deutschland ist für den Großteil der Bevölkerung fast schon unerreichbar. Keiner von uns scheint die perfekten Maße zu haben. Gerade deshalb versuchen viele, diesen Traum zu erreichen: durch Fitness, Diäten und ständige Selbstkontrolle.

Möchte man geltende Schönheitsideale finden, braucht man nicht lange zu suchen. Es wimmelt auf Instagram, TikTok & Co nur so von Fitness-Influencer:innen. Prominentestes Beispiel aus Deutschland ist wohl Pamela Reif mit 8,2 Abonnent*innen bei Instagram. Auf ihren Bildern zeigt sie ihren durchtrainierten Körper und gibt Fitness-Tipps.

Sascha Huber ist das männliche Gegenstück dazu. Auf seinem Instagram-Kanal hat er rund 430.000 Abonnen:tinnen und zeigt sich sehr oft beim Muskeltraining.

 

Der perfekte Körper – eine Illusion

Die Bilder, die uns täglich durch die Werbung und Social Media erreichen, haben einen starken Einfluss auf uns. In den seltensten Fällen entsprechen sie aber der Realität. Fast immer wird retuschiert, was das Zeug hält – bis kein Fältchen, keine Hautrötung und kein Fettpölsterchen mehr zu sehen ist und die Taille noch etwas schlanker, die Muskeln noch etwas größer sind. Natürlich dient das unter anderem dem Zweck, Produkte zu verkaufen, die einen noch schöner, noch schlanker, noch sportlicher und damit noch beliebter und erfolgreicher machen.

Vor einigen Jahren wurde zum Beispiel eine Londoner Werbekampagne für ein Diätgetränk kritisiert, die ein sehr schlankes Model in einem Bikini zeigte. Daneben stand die Frage: „Are you beach body ready?“ ("Hast du eine Strandfigur?"). Das retuschierte Model schien makellos. Doch vielen Menschen gefiel das gar nicht. Deshalb wurde schließlich auf diese Werbung verzichtet. – Ein guter Schritt gegen unechte Bilder in der Werbung, die falschen Druck ausüben. Neben den Slogan „Are you beach body ready?“ haben manche Leute übrigens Sätze wie „Everyone ist beach body ready“ („Jeder hat eine Strandfigur“) geschrieben. Das spricht für sich!

Nice to know: In Frankreich ist es schon seit einigen Jahren Pflicht, bearbeiteten Fotos zu kennzeichnen. Im Sommer 2021 hat auch Norwegen ein solches Gesetz eingeführt. Retuschierte Bilder in Sozialen Netzwerken müssen gekennzeichnet werden, um vor allem junge Menschen vor unrealistischen Schönheitsidealen zu schützen.

 

Influencer:innen und die Schönheit

„Influencer:in“ bedeutet auf deutsch „Beeinflusser:in“. Leute, die bei Instagram, TikTok oder YouTube viele Follower:innen haben, haben also ziemlich starken Einfluss: auf unsere Meinung, unser Denken und darauf, was wir kaufen. Sie verdienen mit Werbeaktionen für bestimmte Produkte (zum Beispiel Kosmetik oder Fitnessdrinks) und Unternehmen Geld. Viel Geld. (Wie das läuft, erfährst Du hier.) Und die Social-Media-Stars haben auch Einfluss auf das, was wir als schön empfinden.

Es ist völlig normal, wenn wir uns als junge Menschen Vorbilder und Orientierungshilfen zur Festigung unseres eigenen Körperbildes und unserer Identität suchen. Und da sind die Influencer:innen in den Sozialen Medien ganz vorne mit dabei. Sie geben ihren Follower:innen Einblicke in ihr privates Umfeld, zeigen wie sie wohnen, was sie gern mit ihren Freund:innen machen. So wächst Vertrauen. Es gilt, das perfekte Leben, den perfekten Körper anzustreben, den der Online-Star vorlebt.

Doch für die Influencer:innen ist diese Selbstdarstellung von Perfektion harte Arbeit. Und sie brauchen oft Stunden für die richtigen Fotos und Videos, die sie dann – meist mit einem Filter versehen und aufwendig bearbeitet – auf ihren Kanälen veröffentlichen.

 

Selbstinszenierung im Internet

Soziale Netzwerke tragen stark dazu bei, geltende Schönheitsideale zu verbreiten und zu verfestigen. Vielleicht ist es bei Dir auch so: Wenn Du selbst ein Foto von Dir posten möchtest, soll es natürlich besonders schön sein. Bei der Aufnahme geht es darum, sich selbst ins beste Licht zu rücken, um möglichst makellos rüberzukommen. Am besten schießt man gleich fünf oder doch besser zehn Fotos, um danach das Beste rauszupicken. Wenn das geschafft ist, wird das Bild natürlich noch bearbeitet – wozu sind die Filter sonst da? Dann noch ein möglichst cooler oder lustiger Text dazu: Fertig. Fertig? Nein, dann wird natürlich beobachtet, wer das Bild liked, wie viele Leute es liken und welche Kommentare geschrieben werden.

Wo ist die Echtheit?

All das ist ein Stück weit normal. Aber: Wann wird es zu viel? Wann verlieren wir durch Beschönigungen und den ständigen Blick auf das Smartphone das echte Leben aus den Augen? Ist nicht gerade das echte Leben so besonders, weil es eben nicht perfekt ist, nicht inszeniert, weil es Höhen und Tiefen, Makel und Fehler hat? 

Warum entwerfen wir auf den Social-Media-Plattformen eine rosarote Scheinwelt, wo alle irgendwie nur noch gleich aussehen? Macht uns das glücklich? Oder heißt glücklich sein nicht vielmehr, zu akzeptieren, dass nichts im Leben perfekt ist, auch nicht ich selbst.

 

Bodyshaming und Cybermobbing – Die Kritik am Körper

Der Körperkult und die Bewertung von Körpern ist längst Alltag. Aktuell gibt es (nicht nur) im Netz eine Bewegung namens Bodyshaming. Damit ist gemeint, den Körper anderer zu kritisieren. Da wird zum Beispiel eine junge Frau mit Rundungen beleidigt, weil sie sich online im kurzen Rock oder bauchfrei zeigt – so wie es viele Millionen anderer junger Frauen auch machen. Doch in Sachen Kleidung gibt es viele ungeschriebene Gesetze: Ein Kleidungsstück ist nur dann toll, wenn es eine Frau schlank aussehen lässt. Alles, was dick macht, ist verboten. Gleichzeitig darf nicht zu viel Haut gezeigt werden, ein bisschen „sexy“ soll es aber trotzdem sein.

Aber auch sehr dünne Mädchen werden online angefeindet, wie zum Beispiel Lea. Da stehen dann Sätze wie „Iss mal was!“ oder „Was für ein Skelett“. „Du bist so dünn!“ – so ein Satz kann genauso treffen wie der Satz „Du bist so dick!“. Genauso bei Männern. Wenn die Muskeln fehlen, können verletzende Kommentare folgen. Einzelne Beleidigungen können in einigen Fällen Formen von Cybermobbing annehmen, wenn sie über einen längeren Zeitraum auf eine Person einprasseln. 

 

Gefährliche Folgen durch einseitige Schönheitsideale

Fakt ist: Das ideelle Schönheitsideal weicht stark von der Realität ab. Die deutsche Durchschnittsfrau trägt keineswegs Größe 34, sondern Größe 44. Es erfüllt also nur eine kleine Zahl an Menschen überhaupt dieses Idealbild, das uns tagtäglich fast überall präsentiert wird. Trotzdem vergleichen wir uns selbst mit diesem Ideal und viele sind dadurch mit ihrem eigenen Körper unzufrieden. Das kann gerade bei jungen Menschen schlimme Folgen haben. 30 Prozent der Jugendlichen sind besorgt über ihr Äußeres. Jede:r fünfte 11- bis 17-Jährige zeigt Symptome einer Essstörung. 18 Prozent fühlen sich durch das aktuelle Schönheitsideal unter Druck gesetzt. Diese Zahlen steigen jährlich an. Social Media spielt dabei eine große Rolle.

Essstörungen und sogenannte "Mager-Coaches"

Befeuert werden diese Verunsicherungen und Krankheiten junger Menschen durch sogenannte "Mager-Coaches", die auf Instagram jungen Menschen anbieten, ihnen bei der Gewichtsabnahme zu helfen. Diese Profile fordern außerdem oft Nacktfotos von den meist minderjährigen Profilen (hierbei kann es sich um Cybergrooming, also der Vorbereitung des sexuellen Missbrauchs, handeln). Und es werden z.B. Konsequenzen angedroht, wenn Kalorienvorgaben überschritten werden. Einen interessanten Podcast zu dem Thema findet Ihr hier.

Pro Woche werden wir im Netz 2000 bis 5000 Mal mit Bildern digital optimierter Körper konfrontiert. Durch Social Media vergleichen wir uns also andauernd – und zwar zum einen mit Klassenkamerad:innen, zum anderen aber auch mit Models wie Kylie Jenner, Hollywood-Stars wie Liam Hemsworth oder Fitness-Blogger:innen wie Sophia Thiel. Nur eine oder einer von 40.000 entspricht dem Schönheitsideal, das diese Prominenten vertreten.

Beauty-Challenges

Viele versuchen dennoch, ihren Vorbildern nachzueifern. So gibt es auf den Social-Media-Plattfoemen verschiedene, teils gefährliche Challenges, die ein einseitiges Schönheitsideal verbreiten: zum Beispiel die „OMG …! Show Your Waist"-Challenge, wo es darum geht, dass junge Frauen eine möglichst schmale Taille haben. Oder die Gym-Selfie-Challenge, bei der junge Männer sich im Fitnessstudio mit durchtrainiertem Oberkörper fotografieren. Unter dem Hashtag „Collarbonechallenge” zeigen extrem schlanke Menschen, wie viel sie auf ihren Schlüsselbeinen stapeln können. 

 

Kritik an "Germanys Next Topmodel"

Die Verbreitung von Schönheitsidealen findet natürlich nicht nur in Sozialen Netzwerken statt, sondern auch in der Werbung oder in Fernsehsendungen. "Germanys Next Topmodel" ist dabei eine der bekanntesten Sendungen. Eine Folge wird durchschnittlich von über einer Million Menschen angeschaut ­– die meisten von ihnen sind junge Mädchen und Frauen. 

Von Beginn an wurde GNTM wegen des einseitigen Frauenbildes kritisiert: Die Teilnehmerinnen mussten lange Zeit möglichst groß und sehr schlank sein. Mittlerweile dürfen zwar auch kleinere und kurvigere Mädchen teilnehmen – doch ändert das wirklich etwas an der Frauenfeindlichkeit, die der Sendung vorgeworfen wird?

Wir haben mit JUUUPORT-Scout Ayla und mit Ex-GNTM-Kandidatin Lijana über die Sexualisierung der Kandidatinnen sowie überholte Schönheitsideale gesprochen.

 

Gegenbewegungen zu aktuellen Schönheitstrends im Internet

Jeder Trend hat (zum Glück) auch Gegenbewegungen. So gibt es immer mehr „Curvy Models“, die zeigen, dass Frauen mit Kurven, mindestens genauso schön sein können, wie durchtrainierte und schlanke. Charlotte Kurth zum Beispiel ist mit ihren Posts ziemlich erfolgreich.

Auch zeigen einige Hashtags wie #fürmehrrealitätaufinstagram, dass Normalität die wahre Schönheit ist und keine Inszenierung braucht. Natalie Stommel zum Beispiel, dass man auch ohne perfekte Pose schön sein kann.

Besonders bemerkenswert sind aber die Posts der Australierin Celeste Barber. Sie stellt perfekt inszenierte Fotos von Promis und Models nach und macht sich dadurch mit bissigem Humor über die perfekte Scheinwelt, den Schlankheitswahn und Fitnesskult in den Sozialen Medien lustig.

 

Unsere Scouts haben eine Hashtag-Liste für Euch erstellt, die garantiert gute Laune macht:

Hashtags für mehr Selbstliebe …

… und Realität in Sozialen Netzwerken

#bodypositivity

#normalizenormalbodies

#selbstliebe

#respectyourbody

#selbstliebelernen

#respectyourself

#selflove

#respectmycurves

#loveyourself

#respectmysize

#loveyourselffirst

#fürmehrrealitätaufinstagram

#bodyacceptance

#instavsreality

 

Schönheit ist Vielfalt

Warum können wir andere und vor allem uns selbst nicht einfach so akzeptieren und schön finden wie sie und wir sind? Gerade die Vielfalt macht eine Gesellschaft doch erst spannend. Wie langweilig wäre es, wenn wir alle gleich aussehen würden? Vielleicht sollten wir uns nicht dauernd selbst optimieren wollen, sondern gelassener mit uns und unserem eigenen Körper umgehen.

Unsere Tipps zum Thema Schönheitsideale

  • Versuche nicht, anderen zu gefallen, sondern überlege, was Du selbst schön findest und wobei Du Dich wohl fühlst.
  • Frage Dich am besten nicht, was an Dir schöner sein könnte, sondern umgekehrt: Was gefällt Dir an Dir besondern gut, worauf bist Du vielleicht sogar stolz?
  • Sei Dir darüber bewusst, dass so gut wie alle Bilder, die Du in Sozialen Medien siehst, stark bearbeitet und retuschiert sind. Kein Mensch ist perfekt – und das ist auch gut so!
  • Lass Dich also nicht von (unrealistischen) Fotos im Feed unter Druck setzen.
  • Schönheit liegt im Auge des Betrachtenden. Es ist also rein subjektiv, was als schön empfunden wird und was nicht.
  • Schönheit betrifft nicht nur Äußerlichkeiten: Auch das Wesen und die Ausstrahlung haben einen großen Einfluss darauf, ob man jemanden als schön oder attraktiv empfindet.
  • Die Betonung von Natürlichkeit und Humor ist eine Gegenbewegung zu der ganzen Perfektion, die man online sieht. Schau Dir am besten ein paar Profile an, die sich über aktuelle Schönheitstrends lustig machen und zeigen, dass es auf den Menschen an sich ankommt und nicht das Äußere. Gute Laune garantiert. :-)
  • Also: Lass Dich nicht anstecken von zu viel Selbstinszenierung und zweifelhaften Trends (die auch wieder vergehen). Du bist toll so wie Du bist!

 

Hilfe und Beratung

Hast Du selbst negative Erfahrungen mit Bodyshaming im Netz gemacht und brauchst Hilfe?
Dann wende Dich an unsere Beratung. Die JUUUPORT-Scouts helfen Dir gern weiter!

Und sei Dir bewusst: Die Online-Welt zeigt immer nur inszenierte Ausschnitte eines Lebens, nicht die Realität. Es ist gut, sich das immer wieder vor Augen zu führen und sich nicht ständig mit anderen bzw. deren ausgewählten und bearbeiteten Darstellungen von sich selbst, zu vergleichen. Man sollte sich akzeptieren, mit allem, was dazu gehört.

Bei unserem Partnerprojekt jugend.support findest Du eine Hilfeseite zum Thema Selbstoptimierung und weitere Beratungsstellen, bei denen Du Unterstützung findest.

 

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