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Wir haben die Trend-App Tiktok für Euch getestet

Adele singt „Someone like you“, ich sehe ein Zimmer voller Gummibärchen und der Nutzer, der das Video veröffentlicht hat, schreibt: „Ich hab echt keine Hobbies :-D“. 449.500 Leuten gefällt‘s, das erkenne ich an der Ziffer unter einem Herzchen-Symbol. 7.489 haben es kommentiert. 

So begrüßt mich die App Tiktok als ich sie das erste Mal öffne. Ich scrolle runter, nächstes Lied, nächstes Video: „Side to side remix“ von flighthouse, ein Mädchen fährt zu dem Song Schlittschuh und macht beeindruckende Pirouetten. Ihr Video kommt noch besser an: 1,4 Millionen Menschen haben es geliked, 6.875 kommentiert.

Eine Flut an (negativen) Kommentaren

Das dritte Video, das ich mir ansehe, zeigt ein anderes Mädchen, das vor einem Spiegel steht, Playback zu einem deutschen Song singt und dabei im Takt die Outfits wechselt. Ich schaue mir die Kommentare dazu an. Eine Nutzerin schreibt: „Fällt nur mir auf, dass die übel da steht?“, eine andere „Wie hoch zieht die ihre Hose? :-D“, ein anderer „Jungs, ich weiß, wo eure Blicke waren“. Und ich sehe auch einige Kommentare, die so unter der Gürtellinie sind, dass ich sie hier nicht zitieren will. 

Nach netten Kommentaren muss ich länger suchen. Dann finde ich zum Beispiel: „Alles sieht super aus“. Das bezieht sich auf die Outfits. Nur ganz wenige Nutzer*innen schreiben etwas dazu, obwohl es darum aber wohl eigentlich gehen soll. Dafür werden sie belächelt: „Glaube du bist die einzige, die auf die Outfits geachtet hat“.

Das Video könnte ich jetzt übrigens ganz einfach auf einem meiner Social-Media-Kanäle oder Messenger teilen und die Reichweite dadurch noch weiter erhöhen. Um es z.B. auf meinem Instagram-Kanal zu posten, kann ich das Video erstmal von Tiktok runterladen und auf meinem Handy unter meinen Videos speichern. Gehört das Video jetzt mir? Hm. Jedenfalls habe ich es auf meinem Smartphone. Ob das für das Mädchen auf dem Video okay wäre, weiß ich nicht so recht. Irgendwie ein seltsames Gefühl … Ich lösche das Video wieder.

Musik, Tanzen oder Comedy in 15 Sekunden

2018 war Tiktok die beliebteste App für Apple-Geräte. Über den Google Play Store wurden nur WhatsApp, der Facebook Messenger und Facebook häufiger heruntergeladen.In Deutschland nutzen 4,1 Millionen Menschen Tiktok jeden Monat.Zentrales Element der App sind kurze, 15-sekündige Videos, die der Nutzer/die Nutzerin mit Musik unterlegen kann. 

Ein Video zu erstellen ist sehr einfach und es stehen viele verschiedene Effekte und Filter zur Verfügung, um das Video aufzupeppen. Außerdem kann man das Video noch mit einem kurzen Song unterlegen, was die meisten Nutzer*innen machen. Ohne Musik wär‘s ja langweilig.

Die Hauptzielgruppe von Tiktok sind elf- bis 15-jährige Kinder und Jugendliche. Allerdings ist die App offiziell erst ab 13 Jahren erlaubt. Daran halten sich aber nicht allzu viele – und die App schränkt das auch nicht wirklich ein. Ich muss zwar mein Geburtsdatum eingeben, wenn ich mich registrieren will und werde – wenn ich zu jung bin – darauf hingewiesen, dass ich nicht berechtigt bin, die App zu nutzen, allerdings kann ich hier natürlich auch schummeln … Und Videos anschauen kann ich mir auch ohne Anmeldung.

Cybermobbing und andere Gefahren

In der Trend-App kann man viel sehen – und auch viel von sich preisgeben. Das kann wiederum Menschen mit negativen Absichten anlocken. Das Portal Mobilsicher berichtete etwa von Cybergrooming-Fällen: Nutzer*innen haben zum Beispiel Videos von bauchfrei tanzenden Acht- oder Neunjährigen in Listen gesammelt und anderen zur Verfügung gestellt. Auch werde immer wieder versucht, junge Mädchen über Tiktok zu kontaktieren, heißt es in dem Bericht. Ein Problem, das auch schon beim Vorgänger Musical.ly kritisiert wurde. Musical.ly wurde im November 2017 an den chinesischen Internetriesen Bytedance verkauft und ist mit Tiktok verschmolzen.

Auch Cybermobbing ist ein großes Thema bei Tiktok. Die vielen herabwürdigenden Kommentare unter den Videos zeigen das. Und wer Tiktok im Google Play Store aufruft, stößt gleich auf Erfahrungsberichte über Beleidigungen und Hasskommentare. Nutzer*innen bezeichnen Tiktok dort zum Beispiel als "reinste Mobbing-App". 

Zwar ist die App und deren Nutzung grundsätzlich kostenlos, allerdings kann man Nutzer*innen, die man besonders toll findet, durch sogenannte Coins, die man kaufen kann, unterstützen. Durch diese In-App-Käufe kann man auf sich aufmerksam machen und das kann dazu verleiten, Geld auszugeben.

Schließlich finden bei Tiktok verschiedene, teils gefährliche Challenges statt, zum Beispiel die „OMG …! Show Your Waist"-Challenge. Diese Herausforderung verbreitet ein veraltetes Schönheitsideal. (Mehr dazu lest Ihr hier.)

Was solltet Du beachten?

  • Überlege gut, was Du posten, wie Du dich anderen präsentieren und wem du deine Videos zugänglich machen willst. Was könnte dir irgendwann vielleicht mal unangenehm sein?
  • Du kannst Deinen Tiktok-Account in den Profileinstellungen unter "Privatsphäre und Sicherheit" auf privat einstellen und nur Freund*innen erlauben, Dich zu kontaktieren oder die Videos zu kommentieren. Unverständlicherweise ist das Konto in der App immer erst einmal als öffentlich voreingestellt.
  • Solltest Du belästigt oder beleidigt werden, kannst Du bestimmte Nutzer*innen, Videos, Kommentare oder Chats melden. Eine Anleitung dazu findest Du hier: „Privatsphäre und Einstellungen" ► „Ein Problem melden“ ►„Missbrauch melden“ ► „Wie meldet man unangemessene Inhalte“. 
    Laut Tiktok gibt es außerdem ein Moderationsteam, das unangemessene Inhalte entfernt und Accounts sperrt. Allerdings glaube ich kaum, dass das wirklich ausreicht, wenn man sich die Flut an negativen Kommentaren ansieht, die ich bei nur ein paar Stichproben gefunden habe.

Empfehlung: ja oder nein?

Tiktok macht Spaß: Ich kann meine Lieblingssongs z.B. durch Lip-Sync-Videos imitieren, kreativ werden und sehen wie das Ganze bei anderen ankommt, mich mit ihnen austauschen. Außerdem kann ich Videos von Freund*innen oder auch Fremden ansehen und kommentieren.

Allerdings ist, was meinen Schutz als Nutzer*in angeht, noch ordentlich Luft nach oben. Die vielen negativen und teilweise echt anstößigen und sicher auch verletzenden Kommentare werden offenbar nicht oder nur sehr selten gelöscht. Einige der Nutzer*innen, die ihre Videos auf Tiktok veröffentlichen, können damit vielleicht besser umgehen, manche schlechter. Deswegen fände ich es gut, wenn ich direkt nach öffnen der App erstmal über Funktionen, Privatsphäreeinstellungen und Risiken informiert werden würde, bevor ich loslegen kann. Tiktok Deutschland erklärt zwar auf einer Website die Funktionen, allerdings werden nur die wenigsten Nutzer*innen zuerst nach diesen Infos suchen, bevor sie die App starten.

Also, wenn Du die App nutzt, hilf dabei, dass positive Kommentare die negativen vertreiben und achte auf Dich und Deinen (Selbst-)Schutz! Gemeinsam für mehr Sicherheit und Respekt im Netz! :-)

 

Quellen:

https://www.sueddeutsche.de/digital/tiktok-video-app-tipps-1.4326540(Zugriff am 20.02.2019)
https://mobilsicher.de/hintergrund/cyber-grooming-bei-tiktok-neue-app-alte-probleme(Zugriff am 20.02.2019)
https://t3n.de/news/musically-exit-874777/(Zugriff am 20.02.2019)
https://www.schau-hin.info/sicherheit/tiktok-musically-mehr-sicherheit-fuer-kinder/(Zugriff am 21.02.2019)

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