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„Ich habe pro Minute vier bis fünf Hassnachrichten bekommen.“

Ehemalige GNTM-Finalistin Lijana über Cybermobbing

2020 war Lijana Kandidatin bei Germanys Next Topmodel und schaffte es sogar bis ins Finale. In der Zeit erhielt sie Hassnachrichten und sogar Morddrohungen. Deshalb verkündete sie im Finale ihren Ausstieg aus der Casting-Show und setzte damit ein starkes Zeichen gegen Cybermobbing und Hass im Netz.

Wir haben uns mit Lijana getroffen und sie nach ihren eigenen Erfahrungen, aber auch nach Tipps für andere junge Menschen gefragt, wie sie mit Beleidigungen im Netz umgehen können.

 

Wie hast Du Dich gefühlt als Du das erste Mal beleidigende Nachrichten bekommen hast?

Als ich die ersten beleidigenden Kommentare bekommen habe, konnte ich nicht wirklich glauben, dass wirklich ich damit gemeint bin. Und dass die Leute mich so sehr hassen aufgrund meines Charakters. Deshalb habe ich es erstmal abgetan. Im Laufe der Zeit, der Wochen und Monate, umso mehr Nachrichten ich bekommen habe, desto mehr hat es mich dann getroffen.

Hast Du Dich jemandem anvertraut? Hat Dir jemand geholfen?

Ich habe mich natürlich meiner Familie anvertraut, meiner Mutter und meinen Geschwistern, die nur leider selbst maßlos mit der Situation überfordert waren. Meine Mutter wollte mich am liebsten schützen. Aber sie konnte mich in dieser großen anonymen Welt des Internets gar nicht schützen. Da kann man ja niemanden richtig greifen. Meine Tante hat dann irgendwann den Kontakt zum Bündnis gegen Cybermobbing hergestellt. Und da wurde mir dann geholfen, weil das Leute sind, die sich damit auskennen und sich schon jahrelang damit beschäftigen.

Was hättest Du Dir in der Situation gewünscht?

Tatsächlich hätte ich mir gewünscht, dass es vielleicht den einen oder die andere da draußen gegeben hätte, der oder die mir auch mal eine liebe Nachricht geschrieben hätte. Ich hätte mir gar nicht so doll gewünscht, dass jemand für mich ins Feuer springt und sich mit den Mobber:innen anlegt. Es hätte schon geholfen, wenn sie mir einfach mal ´ne direkte Nachricht geschickt und gesagt hätten: „Hey, ich sehe das anders.“ Oder: „Du bist in Ordnung.“ Das hätte ich mir sehr gewünscht in der Situation.

Wie hast Du auf die Attacken reagiert?

Anfangs habe ich versucht, die Mobber:innen zu konfrontieren. Ich habe sie angeschrieben und gefragt: „Hey, warum schreibst Du denn sowas, warum schickst Du mir Morddrohungen? Warum beleidigst Du mich und meine Familie so aufs Heftigste? Was habe ich Dir getan? Du kennst mich doch gar nicht.“ Aber dann ist mir klar geworden: Egal mit welchen Argumenten ich ankomme, jedes Argument wird entweder außer Kraft gesetzt oder gar nicht beachtet. Stattdessen wird nur weiter beleidigt und gedroht. Und irgendwann bin ich dann zur Polizei gegangen und habe mir Hilfe geholt. Meine Schwester sagt immer: „Ignoranz ist Dominanz“. Und das hat mir dann tatsächlich für meinen Seelenfrieden geholfen. Ich habe die Mobber:innen blockiert und ihnen gar nicht mehr die Möglichkeit gegeben, dass ihr Hass mich erreichen kann.

Was denkst Du motiviert die Hater:innen? Warum tun sie das?

Ich denke, die Motivation der Hater:innen ist zweischneidig. Auf der einen Seite geht es ihnen um Anerkennung. In der Gruppe fühlt man sich stark. Cybermobbing entwickelt oft eine Eigendynamik. Die, die am heftigsten beleidigen, bekommen leider manchmal auch viele Likes, Zuspruch und Aufmerksamkeit. Auf der anderen Seite werden auch manchmal ehemalige Betroffene zu Täter:innen, weil sie Angst haben, wieder zurückzufallen in die Opferrolle.

Bekommst Du heute immer noch Hasskommentare?

Im Finale von Germanys Next Topmodel habe ich gesagt, dass ich aussteige, um ein Zeichen gegen Cybermobbing zu setzen. Ich fühle mich nicht mehr wie eine Kandidatin von Germanys Next Topmodel, sondern ich habe eine andere und wichtigere Aufgabe für mich und mein Leben entdeckt. Und deswegen nutze ich auch diese Bühne hier, um auf das Thema aufmerksam zu machen und anderen Betroffenen Mut zu machen und zu sagen „Du musst Dich nicht dem Hass stellen, du kannst auch einen Schritt zur Seite gehen und Dich einfach nicht mehr treffen lassen von diesen Hasskommentaren.“ Und tatsächlich habe ich seit dieser Nacht kaum mehr Hasskommentare bekommen.

Wenn Du jetzt doch nochmal vereinzelt negative Kommentare bekommst, gehst du damit heute anders um als früher?

Definitiv. Ich lasse mich gar nicht mehr darauf ein. Wenn es wirklich ein Hasskommentar ist und keine vernünftig geäußerte Kritik, blockiere ich die Person sofort und ignoriere das gänzlich.

Was würdest Du anderen jungen Menschen raten, wenn sie von Cybermobbing betroffen sind?

Sprich mit Menschen in Deinem Umfeld, die Dir wichtig sind und denen Du vertrauen kannst, zum Beispiel mit deinen Freund:innen, mit Deinen Eltern, Vertrauenslehrer:innen. Und versuche Deine Selbstliebe zu stärken. Schau, was Dir wichtig ist, was Dir gut tut. Geh in einen Verein, mach was Du liebst. Dort kannst Du Gleichgesinnte treffen, die die gleichen Interessen haben, wie Du. Und Du kannst neue Freundschaften knüpfen, die Dir helfen, diese Phase durchzustehen. Lerne Dich selbst kennen und lieben. Liebe ist immer die beste Antwort auf Hass.

Als Model betrifft Dich das Thema Schönheitsideale ganz besonders. Hast Du das Gefühl, dass die aktuellen Trends auf TikTok und Instagram Druck auf junge Menschen ausüben?

Absolut. Die aktuellen Trends üben auch Druck auf mich aus. Deswegen benutze ich grundsätzlich keine Filter, weil ich finde, dass diese ein unrealistisches Bild von Schönheit widerspiegeln. Und ich finde, Schönheit ist immer bunt. Das heißt, es gibt nicht nur ein Schönheitsideal, sondern wir alle, in all unseren Facetten, mit all unseren Makeln, das macht uns individuell und das macht uns schön. Und deswegen sollte man sich nicht blenden lassen von künstlichen Darstellungen auf Social-Media-Plattformen.

Du warst ja Kandidatin bei GNTM. Mittlerweile wird in der Sendung ja auch mehr auf Diversity gesetzt. Wie findest Du die Entwicklung?

Ich finde das super! Wenn ich mir überlege, wie das bei der ersten Staffel von GNTM war: Da wurden die Mädels noch gewogen und rausgeschmissen, wenn sie mal ein paar Kilo mehr auf der Waage hatten. Deswegen bin ich jetzt super happy über die Entwicklung, denn gerade als Model muss man doch die Gesellschaft widerspiegeln. Und wir Frauen sind nicht immer 1,80 m groß und total dünn, sondern wir sind wie gesagt bunt. Wir sind mal größer, mal kleiner, wir haben mal etwas mehr auf den Rippen, wir sind weiß, schwarz, lockig oder glatt. Und ich finde es wichtig, dass das im Modelbusiness endlich ankommt.

Was ist Deine Botschaft an alle da draußen im Internet?

Eine Sache möchte ich Dir unbedingt noch mit auf den Weg geben: Love always wins. Liebe Dich selbst! Denn Du bist einzigartig und wundervoll. Und vergiss nicht, Deinen Wert kannst nur du festlegen!

Vielen Dank für das Gespräch, liebe Lijana!

 

Bekommst auch Du beleidigende Nachrichten oder wirst bedroht? Bist Du von Cybermobbing betroffen?

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