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"Happy Slapping" – Gewaltvideos im Internet

Gewalt geht gar nicht und ist – mit Blick auf den Täter oder die Täterin – meistens ein Zeichen von Schwäche. Eine Person, die eine andere schlägt oder tritt, weiß sich offenbar mit Worten nicht zu helfen und wählt den brutalen Weg. Das Opfer hingegen wird gedemütigt, ihm werden Schmerzen zugefügt. Zurück bleiben körperliche und seelische Verletzungen und beim Täter oft Schuldgefühle. Gewalt ist also keine Lösung, sondern verursacht vielmehr neue, langfristige Probleme.

Demütigende Videos

Umso erschreckender ist ein Phänomen, das sich seit einiger Zeit im Internet zeigt: „Happy Slapping“ (= „Fröhliches Draufschlagen“) nennt sich dieses unsinnigerweise. Denn fröhlich ist an den brutalen Videos rein gar nichts. Im Gegenteil: Sie sind respektlos und herabwürdigend.

Die Täter filmen ihr Opfer, während sie es schlagen und demütigen. Das Video stellen sie anschließend ins Internet oder leiten es über Messenger wie WhatsApp an ihre Freunde und Klassenkameraden weiter. Für das Opfer des Angriffs ist das – neben dem Angriff selbst – eine zusätzliche Demütigung. 

Ist das Video einmal im Netz, ist es sehr schwierig, es überhaupt wieder zu löschen, da sich Inhalte im Internet rasend schnell verbreiten und nur schwer verfolgt werden können. Die Live-Funktion, also das Senden von Live-Videos über soziale Netzwerke, verschärft das Problem noch. Immer wieder wird in den Medien von neuen Fällen berichtet: Der jüngste Beitrag berichtet von einem 15-jährigen Mädchen aus Chicago, das von mehreren Männern vergewaltigt wurde. Die abscheuliche Tat wurde live bei Facebook übertragen. 40 Menschen sollen zugeschaut haben und keiner von ihnen alarmierte die Polizei.

Fragwürdige Aufmerksamkeit

Doch was versprechen sich die Täter von diesen sinnlosen Gewalthandlungen, die sie ins Netz stellen? In erster Linie möchten sie durch ihre Attacke, und besonders durch das anschließende Veröffentlichen des Angriffs per Internetvideo, Anerkennung von anderen erhalten und Angst verbreiten. Das lässt auf ein ziemlich geringes Selbstbewusstsein schließen. Jemand, der mit sich selbst im Reinen ist, wird wohl kaum auf andere einschlagen, sondern weiß sich auf sinnvolle Weise zu beschäftigen und dafür echte Anerkennung zu erlangen.

„Happy Slapping“ ist strafbar!

Anderen Menschen physische Gewalt anzutun ist kein Kavaliersdelikt, sondern ganz klar kriminell – ebenso wie das Filmen dieser Taten. Diese Handlungen werden als Körperverletzungsdelikte, Bedrohung, Beleidigung, Nötigung und andere Straftaten verfolgt. Gesetzeswidrig verhält sich auch, wer extreme Gewaltdarstellungen wie starke Körperverletzungen, Kampfhandlungen oder sogar Tötungsszenen versendet. Wer mitbekommt, dass jemand geschlagen und dabei gefilmt wird, muss das bei der Polizei melden, ansonsten macht er sich wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar. Videoaufnahmen sind generell nur dann erlaubt, wenn der Gefilmte sein Einverständnis dazugegeben hat. Und das wird sicher kein Opfer von „Happy Slapping“ tun. Das Einverständnis des Gefilmten muss übrigens auch bei harmlosen Aufnahmen, die mit „Happy Slapping“ nichts zu tun haben, bestehen. 

Welche Auswirkungen kann das Anschauen von Gewaltvideos haben?

Gewaltdarstellungen sind in digitalen Medien allgegenwärtig – im Film, im Computerspiel und auf Internetseiten. Im Internet und via Handy werden zunehmend auch reale Gewaltdarstellungen verbreitet.

Wenn Du dir solche Videos anschaust, kann dies schädigende Auswirkungen auf dein Wohlbefinden und Verhalten haben: es kann Wut, Verunsicherung, Irritation oder Verängstigung auslösen. Wenn Gewaltvideos öfter angeschaut werden, können sie auch die Aggression steigern. Studien haben außerdem gezeigt: Je früher man Mediengewalt anschaut, desto eher konsumieren man in späteren Jahren Gewaltdarstellungen überdurchschnittlich häufig. Es ist also ganz klar davon abzuraten, sich solche Videos anzuschauen – nicht nur aus moralischen Gründen.

Was kannst Du tun, wenn du ein „Happy Slapping“-Video erhältst?

Solltest Du selbst einmal ein Gewaltvideo zugeschickt bekommen, solltest du es keinesfalls weiterleiten und stattdessen direkt löschen. Denjenigen, der dir das Video geschickt hast, solltest du darauf ansprechen und ihm sagen, dass dieses Video eine gesetzeswidrige Gewaltdarstellung zeigt und es eine Demütigung für das Opfer bedeutet. Außerdem solltest Du mit einer Person deines Vertrauens darüber sprechen. Gemeinsam könnt ihr überlegen, ob ihr dem Opfer helfen könnt.

Was kannst Du tun, wenn ein Video verbreitet wird, auf dem Du zu sehen bist?

  • Erst einmal solltest Du versuchen, ruhig zu bleiben und dir klar zu machen, dass diejenigen, die dich verletzt und gefilmt haben, schuldig sind – auch im rechtlichen Sinne. Gerade, weil Opfer dazu neigen, sich selbst die Schuld für solche Situationen zu geben, sei ganz klar gesagt: Du selbst bist nicht schuld und hast jedes Recht, dich zu wehren.
  • Reagiere nicht auf das Video, das spornt die Täter nur an.
  • Hol dir am besten Hilfe bei einer erwachsenen Person deines Vertrauens und sprich mit ihr über das, was passiert ist.
  • Im nächsten Schritt solltest Du (mit Unterstützung deiner Vertrauensperson) den oder die Täter auffordern, das Video aus dem Netz zu nehmen und nicht weiterzuverbreiten. Sag auch ganz klar, dass er/sie eine Straftat begangen hat/haben.
  • Sichere Beweise und mache Screenshots von der Verbreitung der Videos im Internet und in den sozialen Netzwerken.
  • Melde das Video und den/die Nutzer, der dieses veröffentlicht hat, über Meldebuttons in den sozialen Netzwerken. Sperre den/die Nutzer anschließend, damit er/sie dich nicht weiter belästigen kann.
  • Hol dir Hilfe bei Beratungsstellen wie JUUUPORT oder Nummer gegen Kummer.
  • Falls das alles nicht hilft, solltest Du dich an die Polizei wenden.

Quellen:
Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Landesstelle Nordrhein-Westfalen e.V.: „Gewalt auf Handys“
www.klicksafe.de/service/materialien/broschueren-ratgeber/gewalt-auf-handys/
www.jugendundmedien.ch/de/chancen-und-gefahren/gefahren-im-ueberblick/happy-slapping.html
www.jugendundmedien.ch/de/chancen-und-gefahren/gefahren-im-ueberblick/gewalt.html
www.kinder.de/ratgeber/gewalt-praevention/medien-gewalt/artikel/das-phaenomen-happy-slapping/ursachen-fuer-happy-slapping.html
tc-angebote.zeit.de/nichtegal/informieren/happy-slapping-harrassment/
www.sueddeutsche.de/panorama/facebook-wie-die-selfie-epoche-die-kriminalitaet-veraendert-1.3431346

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