Anmelden

Facebook, Furz-App, Flappy Birds. Der Alltag eines App-Testers.

Von Lukas Neuerburg

Mitten in Berlin, im vierten Stock eines roten Bürogebäudes, startet um neun Uhr mein Arbeitstag. Ich bin bei der USK, der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle, als App- und Spiele-Tester tätig, und in diesem Artikel nehme ich euch einmal mit in meinen Alltag. Der beginnt, indem ich meinen PC hochfahre, die erste App des Tages runterlade und dann ins Spiel einsteige.

Der Wind pfeift leise über die Einöde vor dem Hauptquartier des Bösewichts. Die Wachen am Eingang bemerken mich erst, als es schon zu spät ist: Zack, sie bekommen eins mit dem Knüppel auf den Kopf und sacken in sich zusammen. "Kleine Blutflecken" notiere ich. Dann betrete ich das Hauptquartier. Zu meiner Verwunderung werde ich schon erwartet: Mein Erzfeind hat mich offensichtlich in eine Falle gelockt. Mein Gegenüber ist sichtlich amüsiert über meine Notlage und nutzt meine Hilflosigkeit aus, um mich erstmal genüsslich in aller Ausführlichkeit zu beleidigen. Ich notiere jedes Schimpfwort fleißig mit.

Die Notizen helfen mir hinterher zusammenzufassen, was ich gesehen habe. Das ist unbedingt nötig, denn als App-Tester bei der USK bin ich für die Überprüfung der Alterseinstufungen von Apps und herunterladbaren Spielen zuständig.

Dafür gibt es seit etwa zwei Jahren ein neues System: IARC. Das hat sich die USK zusammen mit anderen Jugendschutzkontrollen aus aller Welt einfallen lassen. „IARC“ steht dabei für „International Age Rating Coalition“, also so etwas wie die „Internationale Alterseinstufungskoalition“. Wer jetzt eine App oder ein Spiel in den digitalen Stores von Google, Microsoft oder Nintendo anbieten will, der muss einen Fragebogen ausfüllen. Den haben wir in jahrelanger Kleinstarbeit erarbeitet. Die Antworten benutzt der Computer, um automatisch die richtige Alterseinstufung zu berechnen – ab 0, 6, 12, 16 oder 18 Jahren.

Danach komme dann ich ins Spiel: Als App-Tester suche ich gezielt nach Spielen oder Apps und sehe mir den ausgefüllten Fragebogen an. Wenn ein Entwickler im Fragebogen einen Fehler gemacht oder vielleicht sogar einmal geschummelt haben sollte, korrigiere ich seine Angaben. Dabei helfen mir die Anmerkungen, die ich mir während des Testens notiert habe. So achte ich zum Beispiel auf Gewalt, Sexualität oder Drogen. Ich muss aber auch solche Dinge wie In-App-Käufe und Möglichkeiten zum Chatten beachten. Wenn ich fertig bin, ändert sich eventuell das Kennzeichen einer App. Zusätzlich dazu können sich die „Deskriptoren“ ändern. Deskriptoren geben in aller Kürze an, welche Inhalte ausschlaggebend für die errechnete Einstufung waren – da stehen dann zum Beispiel Dinge wie "Abstrakte Gewalt" (wenn sich zum Beispiel Comicfiguren eins auf die Mütze geben), "Drogen" (wenn man jemanden in der App beim Konsumieren von Drogen sieht) oder "Nutzerinteraktion" (wenn die Nutzer der App z.B. miteinander chatten können). Alterskennzeichen und Deskriptoren geben dann den Nutzern von Apps und Spielen eine genaue Information, was sie erwartet. So können Kinder und Jugendliche ganz einfach Dinge ausschließen, die sie vielleicht nicht sehen wollen und Eltern können sich informieren, was ihre Kinder auf dem Smartphone so machen.

Tag für Tag schaffe ich bei meiner Arbeit etwa 20 bis 40 Apps, je nachdem wie aufwendig diese sind. Darunter sind ganz normale und sehr bekannte Apps, aber auch wirklich kuriose Dinge! So bin ich schon mit einem Polizeimotorrad über eine Stadt geflogen, habe angreifende Brathähnchen mit einer Zwille abgewehrt oder als alte Oma Banken überfallen. Außerdem landen Apps wie Sportnachrichten, digitale Wasserwaagen, Fitness-Apps oder Malprogramme täglich auf meinem Schreibtisch.

All das macht meine Arbeit sehr abwechslungsreich und herausfordernd – aber zusammen mit meinen Kollegen haben wir bis jetzt noch für jede App und jedes Spiel das richtige Alterskennzeichen gefunden.

SCOUT-LOGIN

Bitte gib Deinen Nutzernamen und Passwort ein, um Dich anzumelden.


Anmelden


Abbrechen

ANMELDUNG

Bitte gib Dein Passwort ein, um die persönliche Beratung zu starten.