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Ethik und Games

Von Daniel Heinz

Ob bei Büchern, Filmen oder Musik – Fragen hinsichtlich der Ethik von Unterhaltungsangeboten gibt es nicht erst seit den digitalen Spielen. Doch gerade hier hat sich die Diskussion aufgrund der Interaktivität und der audiovisuellen Ausgestaltung des Mediums verschärft. Während sich die einen wundern, warum Gamer auf beinahe real erscheinenden, virtuellen Schlachtfeldern ihre Freizeit verbringen wollen, ziehen wieder andere den Vergleich zum kindlichen „Räuber und Gendarm“-Spiel und den fiktiven Charakter heran. Dabei stellt sich jedoch die Frage: Wie weit dürfen digitale Spiele gehen, um noch ethisch vertretbar zu sein? Und können wir durch interaktive Handlungen für bestimmte Themen sensibilisiert und zum Nachdenken angeregt werden?

 

Themen und Inhalte

Normen und Werte spielen beim Konsum von Geschichten generell eine große Rolle. Man denke nur an die Märchen aus der Kindheit oder die Gleichnisse aus der Bibel. Und auch in digitalen Spielwelten werden Storys präsentiert, die zum Nachdenken anregen. Es gibt beispielsweise zahlreiche Games, die sich mit den Themen „Flucht und Asyl“ auseinandersetzen. Das Spiel „That Dragon Cancer“  setzt sich mit einer Krebserkrankung auseinander. Und die App „The Unstoppables“  sensibilisiert für das Thema Inklusion. Allerdings gibt es auch Angebote mit moralisch bedenklichen Inhalten, die kritisch hinterfragt werden sollten. Hinsichtlich der Ethik in Games sind auch die Darstellungen von Männern und Frauen in den digitalen Spielen zu beachten. Eine selektive Übersicht zu Frauenrollen in digitalen Spielen liefern die kurzen Videos von „Feminist Frequency“ auf YouTube von Anita Sarkeesian.

 

Moralische Entscheidungen

Gerade digitale, interaktive Spiele lassen den Menschen zum Handelnden werden. Und oft können hier auch moralische Entscheidungen getroffen werden. Vorwiegend sind diese im Genre der Rollenspiele anzutreffen. Je nach Spiel werden diese Entscheidungen moralisch beurteilt. Beispiele sind Mass Effect oder Fable. So bekommt der Spieler entweder Punkte für positives oder negatives Handeln gutgeschrieben und hieraus entwickeln sich bestimmte Fähigkeiten oder Gesprächsoptionen. Andere Spiele, z. B. Dragon Age: Inquisition beurteilen die moralischen Entscheidungen wiederum nicht. Dennoch muss der Spieler mit deren Konsequenzen leben. Denn vielfach haben solche Wahlmöglichkeiten auch Konsequenzen auf den Fortgang der Geschichte. Dabei zeigt sich oft auch, dass vermeintlich moralisch gute Taten im Nachgang zu problematischen Auswirkungen führt – genau wie im Alltagsleben. Sich in digitalen Spielen auszuprobieren und hier auch Entscheidungen zu treffen, die gesellschaftlichen Konventionen widersprechen, kann im Spiel gefahrlos ausprobiert werden. Das ist einerseits reizvoll, andererseits bedarf es einer gewissen Fähigkeit, das Spiel als fiktives Medium einzuordnen.

 

Communities

Aber nicht nur im Ablauf, sondern auch in den Communities kommt Ethik ins Spiel. Das gemeinsame Spiel stellt Anforderungen hinsichtlich Kommunikation, Kooperation, Teamfähigkeit, Akzeptanz (gegenüber anderen Spielen, aber auch gegenüber Regeln der Gemeinschaft). Hierbei handelt es sich um moralische Werte, die in der digitalen Spielumgebung im Umgang mit anderen durchaus eingeübt und verfestigt werden können. Wie in Sozialen Netzwerken handelt auch hier nicht jeder Spieler verantwortungsbewusst und rücksichtsvoll. So ist gerade im erfolgsorientierten Wettstreit nicht selten ein recht rüdes Verhalten anzutreffen. Dies reicht von Beschimpfungen bis hin zu unfairen Spielabbrüchein im Teamplay. Dies wird im Gamerjargon Toxic Behaviour genannt. Die Kampagne „Dein Spiel, Dein Leben“ hat gemeinsam mit Gamern Gütekriterien entwickelt, um problematische Verhaltensweisen entgegenzuwirken und das soziale Verhalten in Clans und Gilden Salonfähig zu machen.

 

Verantwortung der Videospielindustrie

Letztendlich hat auch der Spielehersteller oder – publisher eine ethische Verantwortung gegenüber den Spielern. Ist es ok, dass Daten über unsere Nuzungsgewohnheiten gesammelt, ausgewertet und oftmals auch weiterverwendet werden? Und dass Games oftmals unfertig auf dem Markt erscheinen und erst durch den Kauf zahlreicher Download-Inhalten (DLCs) komplettiert werden? Oder dass in manchen free2play-Spielen oftmals derjenige gewinnt, der am meisten Geld investiert? Auch solche Aspekte gilt es kritisch zu thematisieren.

 

Pädagogische Projekte zum Thema Ethik und Games

Der Spieleratgeber-NRW beschäftigt sich in seiner pädagogischen Arbeit laufend mit dem Thema. Und das nicht nur in den über 30 Spieletestergruppen, in denen Games von Kindern und Jugendlichen auf Herz und Nieren geprüft werden. So wurde bei Quest in Mittel-Mülheim ein Rollenspiel in die Realität transferiert – samt moralischer Entscheidungen. Im Rahmen des Projekts „Ethik und Games“ an der TH Köln beteiligten wir uns am Barcamp Ethik und Games und an Projekt Games4Interaction, bei dem Spielerinnen und Spieler sich ergebnisoffen mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Und auch unsere Jugendredaktion ctrl-blog berichtet über die Ethik in Games. Spielebegeisterte Jugendliche sind herzlich eingeladen, sich zu beteiligen!

 

Weiterführende Informationen:

Sensibilisierung für das Thema Migration

Moral und Ethik in digitalen Spielen

Geschlecht, Sozialisation und Technik 

Gewalt in digitalen Spielen 

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