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Niedliche Tiere, Ernährungstrends und Fake News – wie Rechtsextreme ihre Ideologie im Netz verbreiten

Vor Kurzem haben wir in einem Artikel über extremistischen Salafismus berichtet. Eine andere radikale Strömung, die vermehrt im Internet auftaucht, ist der Rechtsextremismus. Mit frei erfundenen oder verfälschten Meldungen (sogenannten „Fake News“) oder getarnt als Trendthemen verbreiten Rechtsextreme im Internet Hass gegen Geflüchtete, Muslime und andere Minderheiten.

Das Smartphone als Zugang zu Jugendlichen

Über eure Smartphones seid ihr nicht nur für eure Freunde, sondern auch für die rechtsextreme Propaganda immer und überall erreichbar. Rechtextreme nutzen gezielt soziale Netzwerke, um jugendliche InternetnutzerInnen zu kontaktieren und ihre Ideologie zu streuen: über Apps, virale Aktionsvideos, Onlineradios und Podcasts, Messenger wie Telegram, Threema und natürlich WhatsApp, Facebook-Gruppen und -Events, Hashtags und Memes. Die radikalen Inhalte werden gezielt mit Themen wie Online-Spielen, Hip-Hop oder Ernährungstrends verknüpft. Die fremdenfeindlichen Botschaften sind so nicht immer als solche erkennbar. Um eine hohe Reichweite für die Beiträge und Inhalte zu erzielen und Jugendliche für sich zu gewinnen, wird die rechtsextreme Ausrichtung gezielt getarnt. 

Die Strategien der Rechtsextremen

Es gibt verschiedene rechtsextremistische Gruppierungen. Manche davon wenden sich an Jugendliche, die bereits Interesse an der rechten Szene haben und präsentieren sich als eingeschworene Gemeinschaft, sogenannte „Bruderschaften“. Männlichkeit, Kraft und gemeinsame Partys spielen hier eine große Rolle. Oft gibt es dabei Verbindungen zur Hooligan- oder Kampfsport-Szene und Logos, Kleidung und Rangabzeichen erinnern an Motorradclubs. Diese Gruppen haben Erfolg bei Jugendlichen, die sich nach Gemeinschaft sehnen.

Neuerdings gibt es auch sogenannte „Nipsters“ (Verbindung aus „Nazi“ und „Hipster“). Auch sie wenden sich an Jugendliche, die bereits in der rechten Szene aktiv sind und fahren eine recht klare Linie: keine Drogen, kein Alkohol, Selbstdisziplin und Teilnahme an ideologischen Fortbildungen. Nach diesen Regeln sollen alle Mitglieder auch im eigenen Alltag leben. Für ihre Propaganda produzieren die Nipsters zum Beispiel Memes, die Phänomene wie Pokémon Go aufgreifen.

Getarnte Ideologie

Daneben gibt es auch noch Gruppen wie die „Identitäre Bewegung“. Mit modernen Bildern und scheinbar harmlosen Botschaften spricht sie junge Menschen an, die noch nichts mit der rechtsradikalen Szene zu tun haben und mit klassischen rechtsextremen Angeboten nicht zu erreichen sind. Sie präsentieren sich rebellisch und gleichzeitig harmlos. Eine freundliche Aufmachung der Seiten und Profile, alltägliche Themen und persönliche Ansprache sollen die Kontaktaufnahme zu Jugendlichen erleichtern. Die Mitglieder der Identitären Bewegung behaupten von sich, nicht rassistisch zu sein und verbreiten dennoch eine fremdenfeindliche Ideologie.

Auch die Jugendorganisationen rechtsextremer Parteien verschleiern ihre demokratie- und menschenverachtende Propaganda. Sie verpassen den Parteiauftritten einen jugendlichen Anstrich – mit sogenannter „Guerilla-Propaganda“: So besuchen sie zum Beispiel, als Hirsch verkleidet, Schulen und verbreiten anschließend die Videos zur Aktion unter dem Namen „Platzhirsch“ in den sozialen Netzwerken.

Eine weitere Strategie der Rechtsextremen für das Gewinnen neuer Anhänger, sind bestimmte Themenseiten, die auf den ersten Blick nicht mit ihrer Ideologie zusammenhängen. So nutzen Neonazis zum Beispiel das Thema „Tier- und Naturschutz“ für ihre Zwecke. Hitler wird dabei als Erfinder des Tierschutzes dargestellt und die menschenverachtende Ideologie der Rechtsextremisten wird hinter positiven Botschaften versteckt. Rechtsextreme Umweltschutzprofile im Netz produzieren gerne Memes mit niedlichen Tieren oder romantischen Wäldern, die von vielen Jugendlichen weiterverbreitet werden. Auch Themen wie Sport, Musik oder gesunde Ernährung (z.B. Food-Blogs) werden für die getarnte Propaganda genutzt.

Fake News für hohe Klickzahlen

Auch vermeintliche Nachrichtenseiten sind für Rechtsextreme eine wichtige Bühne, um Hass im Netz zu schüren und Menschen zu radikalisieren. Dazu werden bewusst auch Falschmeldungen („Fake News“) verbreitet, die oft große Reichweiten erreichen. Seriöse Medien werden dagegen immer wieder als Lügenpresse bezeichnet. Auch humorvolle Inhalte werden stark verbreitet, da diese oft geliked und geteilt werden. Viele Jugendliche werden so unwissend und ungewollt zu Unterstützern der Rechtsextremen.

Die Nutzung sozialer Netzwerke als Propaganda-Strategie

Jedes soziale Netzwerk erfüllt eine andere Funktion im Hinblick auf die Gesamtstrategie der Rechtsextremen. jugendschutz.net beschreibt das in einem Recherchepapier zu diesem Thema so:

„Facebook dient Rechtsextremen als Socialising-Instrument, Twitter der kurzen und aktuellen Information an die Gefolgschaft und YouTube der Verbreitung von Aktions-, Mobilisierungs- und Musikvideos. Neue Musik von rechtsextremen Bands findet sich auf Diensten wie Bandcamp und Soundcloud, über Instagram werden persönliche Eindrücke vermittelt, bei Tumblr weltanschauliche Collagen und hippe Memes gestreut. Mit WhatsApp, Snapchat, Telegram und der Konferenzsoftware Teamspeak setzt die Szene auf Kommunikationstrends und unmittelbare Kontaktpflege. Ergänzend werden Ausweichplattformen wie das russische Soziale Netzwerk VK genutzt, um besonders drastische und in Deutschland strafbare Inhalte zu verbreiten.“

jugendschutz.net ist seit 1997 ein wichtiger Akteur des Jugendschutzes im Internet. Die länderübergreifende Stelle kombiniert Recherchen und Maßnahmen gegen Jugendschutzverstöße mit der Sensibilisierung von Anbietern, Eltern und Jugendlichen für Risiken. In Deutschland sind z. B. Medienangebote, die verbotene Symbole wie etwa das Hakenkreuz zeigen, die Gräueltaten des Nationalsozialismus verharmlosen, die Menschenwürde verletzen, sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung oder den Gedanken der Völkerverständigung richten, auch aus Jugendschutzgründen unzulässig. Jugendschutz.net will das Risiko für Jugendliche minimieren, von rechtsextremer Propaganda negativ beeinflusst zu werden.

Aktuelle Zahlen und Fakten

Im Februar diesen Jahres hat jugendschutz.net aktuelle Erkenntnisse, Zahlen und Gegenstrategien zu Rechtsextremismus im Internet vorgestellt. Diese können unter anderem in diesem Dokument eingesehen werden. 

Die Zahlen zeigen, dass 52.748 rechtsextreme Web-Angebote gesichtet wurden, 1678 Angebote mit Jugendschutzverstößen wurden registriert, 98 % davon waren in den sozialen Netzwerken, vor allem bei Facebook, zu finden.

Die gesichteten Beiträge haben vor allem dann eine große Reichweite erzielt, wenn sie eine vermeintliche Kriminalität von Flüchtlingen thematisieren oder gezielt skandalisierende Fake-News verbreiten. Zum Thema Fake-News ist das Faltblatt „Achtung HINTERHALT! Rechtsextreme manipulieren im Social Web mit Nachrichtenseiten“ zu empfehlen.

Was tun?

Rechtsextreme wollen Hass gegen bestimmte Menschengruppen erzeugen. Manche Gruppen in sozialen Netzwerken verbreiten offen menschenverachtende Hetze und rufen zur Gewalt gegen Juden, Geflüchtete, Muslime, Sinti, Roma und Homosexuelle auf. Damit handeln sie nicht nur moralisch falsch, sondern machen sich auch strafbar.

Wenn ihr selbst rechtsextremistischen Inhalten begegnet, könnt ihr euch an eure Eltern, die Schule oder an Beratungsstellen wie online-beratung-gegen-rechtsextremismus.dehass-im-netz.info oder netz-gegen-nazis.de wenden. Diese sind kostenlos, anonym und vertraulich. Projekte vor Ort findet ihr im Atlas des Bundesprogramms "Demokratie leben", das das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ins Leben gerufen hat.

Und natürlich könnt ihr Beiträge jederzeit auch direkt bei jugenschutz.net melden. 

Macht euch gemeinsam mit uns stark für ein respektvolles Miteinander und Toleranz im Netz!

Quellen:
www.jugendschutz.net/politischer-extremismus/
www.heise.de/newsticker/meldung/Schwesig-Jugendliche-besser-vor-Rechtsextremen-im-Netz-schuetzen-3624995.html
www.hass-im-netz.info/fileadmin/hass_im_netz/documents/Zahlen_Rechtsextremismus_Online_2016.pdf
www.schau-hin.info/news/artikel/wie-rechtsextreme-hass-schueren-und-jugendliche-koedern.html
Alexandra Beyersdörfer, Flemming Ipsen, Steffen Eisentraut, Michael Wörner-Schappert u. Fabian Jellonnek: Vernetzter Hass. Wie Rechtsextreme im Social Web Jugendliche umwerben. Mainz 2017.
www.amadeu-antonio-stiftung.de

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