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Ist das Fotografieren und Posten von Essen erlaubt – Ja oder Nein?

 Fast jeder hat schon mal sein Essen fotografiert, oder? Ob im Restaurant oder Café, bei McDonalds oder bei lecker Selbstgekochtem daheim – es ist völlig normal, Bilder seines Essens bei Instagram, Facebook und Co. zu posten. Über die Gründe dafür kann man ausgiebig diskutieren, interessant ist aber auch: Ist das eigentlich immer erlaubt?

Worum geht es?

Eine Meldung der Zeitschrift Finanztest wurde von diversen Magazinen und Zeitungen aufgegriffen und so konnte man in den letzten Wochen gehäuft lesen: "Essen fotografieren kann teuer werden", oder "Wer Essen fotografiert, riskiert eine Abmahnung". Demnach könnte es sich bei einer Speise oder einem Gericht um ein geschütztes Werk handeln und das Fotografieren und Veröffentlichen (Posten) sei somit eine Urheberrechtsverletzung. Urheber wären dann der Koch oder die Köchin. Die Verunsicherung war folglich groß und es erreichten uns diverse Fragen, ob es wirklich eine Urheberrechtsverletzung darstellt, wenn man sein Essen fotografiert und postet (also veröffentlicht). Um es kurz zu machen: Wir gehen nicht davon aus.

Aber: Um diesen Aspekt besser zu verstehen, muss man sich zunächst klarmachen, was eigentlich ein urheberrechtlich geschütztes Werk ist.

Urheberrechtsverletzung durch veröffentlichte Fotografien

Urheberrechtlich geschützt sind persönliche, geistige Schöpfungen wie etwa Bilder, Schriften, Fotografien, Zeichnungen, Kunstwerke, usw. Ein Urheber besitzt die alleinigen Rechte an seinem Werk, er oder sie allein bestimmt zum Beispiel darüber, ob und wo es veröffentlicht werden darf. Bestimmte Nutzungsrechte kann ein Urheber allerdings übertragen. Am Beispiel einer Fotografie erklärt:

Leon fotografiert eine schöne Lichtung im Wald. Er ist der Urheber des Fotos. Seine Freundin Carla arbeitet bei der Schülerzeitung. Carla fragt Leon, ob sie das Foto in der Schülerzeitung veröffentlichen darf. Leon sagt ja, das Bild wird veröffentlicht. Das Verbreitungsrecht ist eines der zahlreichen Rechte des Urhebers. Leon hat es in diesem Fall an Carla und ihre Schülerzeitung übertragen. Diese Erlaubnis gilt allerdings nur (einmalig) für die Veröffentlichung in der Schülerzeitung.

Hätte Carla nicht gefragt, sondern das Foto einfach verwendet, hätte sie eine Urheberrechtsverletzung begangen. Auch, wenn Carla das Foto ohne Leons Erlaubnis an anderer Stelle erneut veröffentlicht, begeht sie eine Urheberrechtsverletzung. Sie muss ihn dann erneut um Erlaubnis fragen.

Urheberrechtsverletzung durch Fotografie einer Speise?

Wir halten es für unbedenklich, sein Essen zu fotografieren und in sozialen Netzwerken zu posten. Denn das Urheberrecht schützt zwar Werke, damit sind aber in erster Linie Musik, Filme, Literatur oder Bilder, usw. gemeint. Die Frage lautet also: Ist ein angerichtetes Essen ein urheberrechtlich geschütztes Werk? In Paragraph 2 Urheberrechtsgesetz (UrhG) werden die Werke aufgeführt, die urheberrechtlich geschützt sind. Schön angerichtetes Essen ist nicht dabei.

Jetzt könnte man natürlich argumentieren, ein kunstvoll drapiertes Gericht sei auch eine Kreation, ein künstlerisches Werk etwa. Das kann sogar sein. In verschiedenen Artikeln zum Thema wird darauf hingewiesen, dass besonders kunstvolle Speise-Kreationen durchaus urheberrechtlich geschützte Werke sein könnten. Voraussetzung dafür ist, dass es sich dabei um eine persönliche geistige Schöpfung handelt. Das Gericht dürfe also zum Beispiel so bereits nicht in einem Kochbuch abgebildet sein. Auch steht die Frage im Raum, ob ein Gericht nicht auch angewandte Kunst sein könnte, wie wir es bei iRights.info gelesen haben. Angewandte Kunst hat demnach einen Gebrauchszweck (wie etwa ein besonders Möbelstück) und muss von seiner Gestaltung her den Durchschnitt ein wenig übertreffen. Trifft das wirklich auch auf schön angerichtete Speisen zu? Diese Frage können wir nicht zu Hundertprozent sicher beantworten.

Man ahnt es – die Vorstellung, von einem Koch verklagt zu werden, weil man sein Essen fotografiert und gepostet hat, ist ziemlich weit hergeholt. Bislang ist es auch noch nicht vorgekommen, dass ein Koch oder Restaurantbesitzer einen fotografierenden Gast wegen Urheberrechtsverletzung verklagt hätte. Ausgeschlossen werden kann das nicht. Wir gehen aber davon aus, dass sich Köche und Restaurantbesitzer eher darüber freuen, wenn ein Gast sein schön angerichtetes Essen fotografiert und über soziale Netzwerke weiter verbreitet, schließlich handelt es sich um gute Werbung - ganz kostenfrei.

Fotografieren im Restaurant kann untersagt werden

In Restaurants, Cafés, etc. gilt das Hausrecht, das heißt, ein Wirt darf auch das Fotografieren von Essen in seinem Lokal verbieten. In diversen Artikeln zum Thema wurde ein Tweet mit einem entsprechenden Verbots-Hinweis in einem Lokal verlinkt. Auf dem getweeteten Foto ist ein Zettel mit der Aufschrift: „BITTE HIER IM RESTAURANT DAS ESSEN NICHT INSTAGRAMMEN! (Diesen Zettel bitte auch nicht!)“ zu sehen. Wir finden das ziemlich lustig. Aber: Wenn man sich nicht daran hält, kann der Wirt von seinem Hausrecht Gebrauch machen und den Fotografierenden zum Beispiel auffordern, sein Lokal zu verlassen. Unangenehm wäre das auf alle Fälle.

Nur selbst fotografiertes Essen posten

Wenn man Speisen postet, dann bitte nur eigene Bilder. Wer von anderswo schöne Bilder herunterlädt und ohne Erlaubnis des Urhebers postet, begeht eine Urheberrechtsverletzung. Mehr über Fotos und Rechte im Internet gibt es hier.

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