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Sexting und der Missbrauch digitaler Zuneigung

Intime Bilder in unserem Alltag

Die Kamera fährt an einem muskulösen Männerkörper entlang, der auf einem Felsen steht. Im nächsten Moment schwenkt sie auf eine Frau, die im Bikini auf einem Boot liegt und erwartungsvoll zu dem Mann heraufschaut. Der Mann springt kopfüber ins Wasser. In der nächsten Szene steigt er auf das Boot und legt sich auf die Frau … Cut!

Das ist eine aktuelle Parfümwerbung, die, neben vielen vergleichbaren Videos, für jeden auf YouTube zu finden ist. Erotische Bilder begleiten uns in unserem Alltag, zum Beispiel auch auf Plakaten an Bushaltestellen. Sie sind Normalität.

Warum also nicht selbst ein freizügiges Bild von sich selbst an den Freund oder die Freundin verschicken?

Sexuelle Annäherung online …

Dass wir uns selbst ausprobieren, ist normal. Nur kann es online oft weitreichendere Folgen haben, als wenn zwei sich küssen. Sexting (Wortbildung aus „Sex“ und „Texting“) beschreibt das freiwillige Versenden und Empfangen selbstproduzierter, freizügiger Aufnahmen via Computer oder Smartphone und ist eine sexuelle Handlung, die online stattfindet. Bei einigen kann sie wie eine erste Berührung sein. 

… und die Gefahren

Schwierig wird es in dem Moment, wenn das intime Bild unerlaubt weiterverschickt oder veröffentlicht wird und die sexuelle Handlung dazu missbraucht wird, jemanden unter Druck zu setzen (Sextortion), zu belästigen oder zu beleidigen (Cybermobbing). Das kann allerdings schnell passieren, weil das Bild online leicht weiter verbreitet werden kann. 

Das Sexting-Opfer wir dann oft irgendwie schuldig gesprochen. Wie doof konnte er/sie nur sein? Auch die Freund*innen fragen: Wie konntest Du das nur machen!? Aber eins ist klar: Die Verbreiter*innen der intimen Fotos sind das Problem, nicht die Opfer. Allerdings fällt es vielen Betroffenen schwer, um Hilfe zu bitten. Sie schämen sich. Unsere anonyme Online-Hilfe kann da eine erste richtige Anlaufstelle sein.

"Innocence in Danger" nennen das Phänomen des Missbrauchs intimer Bilder "ShareGewaltigung". Das bedeutet, in Anlehnung an die Vergewaltigung: Gewalt durch Teilen eines Bildes. Auch das ungewollte Weiterverbreiten eines intimen Bildes oder Filmes ist übrigens ein Gewaltakt. Wir finden, dass dieser Begriff das Thema ziemlich gut trifft.

Unsere Tipps

  • Sexualität ist erstmal etwas Tolles, wenn man sich auf Augenhöhe und gleichberechtigt begegnet. Vertrauen ist dabei eine wichtige Grundvoraussetzung, die von beiden Seiten nicht verletzt oder ausgenutzt werden sollte.
  • Erotische Darstellungen in kursierenden Videos und den Medien sind immer inszeniert. Sie spiegeln nur in den seltensten Fällen Realität wieder. Mach Dir das bewusst und lass Dich nicht unter Druck setzen. Und: Du musst Dir nichts ansehen, was Du nicht sehen willst. Schau Dir dazu am besten mal unseren Artikel zu Gewaltvideos im Netz an.
  • Bevor Du selbst intime Bilder verschickst, solltest Du Dir überlegen: Will ich das jetzt schon? Will ich mit dem oder der so etwas Intimes austauschen? Oder lieber noch nicht. Ist mir das später vielleicht peinlich? Und vor allem: Ist der/die andere so vertrauenswürdig, dass er/sie damit nichts anstellt, das mich verletzten könnte?
  • Wenn du trotzdem intime Bilder von dir versenden willst, achte darauf, dass dein Gesicht ausgeblendet oder verdeckt ist. Das Gleiche gilt auch für persönliche Merkmale wie Tattoos oder auffällige Muttermale. So lassen sich die Bilder nicht so auf einfach auf Dich zurückführen.
  • Übrigens kann Sexting unter Umständen auch strafbar sein, nämlich dann, wenn jemand pornografisches Material von Personen unter 16 Jahren zeigt, zugänglich macht oder öffentlich anbietet. Es kann eine Freiheitsstrafe drohen.
  • Sollte jemand intime Bilder von Dir weiterverschickt haben oder Dich belästigen, hol Dir Hilfe. Wende dich an Vertrauenspersonen oder Hilfsorganisationen wie JUUUPORT oder Nummer gegen Kummer. Du bist nicht allein, es muss Dir nichts peinlich sein und es gibt Menschen, die Dir helfen möchten, für Dich da sind.

Quellen: 

"Schon Drittklässler erzählen mir von Pornos", Interview mit Psychologin Julia von Weiler, Süddeutsche.de, 28. Januar 2019 

https://www.klicksafe.de/themen/problematische-inhalte/sexting/sexting-worum-gehts/ (Zugriff am 22.02.2019)

https://magazin.amorelie.de/sexting/#selfies (Zugriff am 27.02.2019)

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