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Computersucht

Ein Mädchen sitzt gebannt vor dem Laptop

Foto: ©istockphoto.com/ dragan saponjic

Computersucht, Computerspielsucht, Internetsucht oder Mediensucht – einen dieser Begriffe hat wohl jeder schon mal irgendwo gehört.

Was ist das eigentlich genau? Wann wird aus exzessivem Computergebrauch Computersucht? Wir haben das für euch recherchiert und den Experten Dr. Christoph Möller, Oberarzt auf Teen Spirit Island, Therapiezentrum für süchtige Jugendliche in Hannover, befragt.

 

Computersüchtig oder heavy user?

Was ist Computersucht?

Warum und wonach wird man eigentlich süchtig?

Bis zu sieben Prozent der Internetnutzer sollen computersüchtig sein

Süchtig nach Online(Rollen-)spielen und Chats

Behandlung der Computersucht

Kann man Computersucht eigentlich vorbeugen?

 

Computersüchtig oder heavy user?

„Du bist ja computersüchtig!“ - wer das schon mal gehört hat, kann aber auch einfach nur ein „heavy user“ sein. Fachleute sprechen auch von „exzessivem Internetgebrauch“. Die Grenzen sind fließend.

„Es kann schon vorkommen, dass sich junge Menschen eine Zeitlang in einer Onlinewelt verlieren und exzessiv spielen oder surfen“, sagt Dr. Möller von Teen Spirit Island, „entscheidend ist dabei, den Kontakt zur Außenwelt nicht zu verlieren. Das können auch Phasen sein, die sich nach einiger Zeit wieder legen“.

Was ist Computersucht?

Von Computersucht spricht man, wenn jemand Computer und/oder Internet exzessiv nutzt. Ausschlaggebend ist dabei nicht nur die Nutzungsdauer.

Wenn soziale Kontakte erst vernachlässigt und dann sogar abgebrochen werden, Hobbys und andere Freizeitaktivitäten zugunsten des Computers eingestellt werden, eigentlich das ganze Leben nur noch vorm Computer stattfindet, dann spricht man von Computersucht. Computersüchtige vernachlässigen nicht nur das soziale Umfeld, sie vernachlässigen auch sich selbst:

Durch stundenlanges Sitzen vor dem Rechner lassen Kondition und Fitness merklich nach. Auch der durch stundenlanges Surfen oder Spielen verursachte Schlafmangel wirkt sich negativ aus. Dazu kommen schlechte Ernährung (alles, was schnell zuzubereiten ist und auch nebenher gegessen werden kann) und nachlassende Körperhygiene.

Soziale Isolierung

Die Nutzung hat sich bereits auf das „reale Leben“ ausgewirkt. Durch soziale Isolierung wird die Computersucht wiederum verstärkt: Ein Teufelskreis beginnt.

Computersüchtige reagieren außerdem mit Entzugserscheinungen, wenn man ihnen den Zugang zu Computer oder Internet verwehrt. Sie werden nervös, aggressiv und tun fast alles, um wieder spielen und surfen zu können.

Warum und wonach wird man eigentlich süchtig?

Es gibt Jugendliche und junge Erwachsene, die in ihrem „realen Leben“ nicht so gut zurechtkommen, die ängstlich sind oder sogar unter Depressionen leiden. Sie haben eher wenige Freunde, werden in der Schule nicht anerkannt, vielleicht leiden sie auch unter Mobbing. „Diese Jugendlichen finden in Online-Welten plötzlich eine Welt vor, in der sie anerkannt und voll integriert sind. Als Teil einer Gilde bei World of Warcraft zum Beispiel sind sie unverzichtbares Mitglied“, so Dr. Möller.

Online – ob in Spielen oder in Chats – finden Computersüchtige die Anerkennung und Integration, die sie im realen Leben häufig vermissen. Das macht die Anziehung von Computer und Internet natürlich viel größer und die Welt online wird irgendwann wichtiger als die Offline-Welt.

Bis zu sieben Prozent der Internetnutzer sollen computersüchtig sein.

In Deutschland sind Schätzungen zufolge zwischen drei und sieben Prozent der Internetnutzer onlinesüchtig. Noch mal so viele gelten laut dem „Drogen- und Suchtbericht“ der Drogenbeauftragten der Bundesregierung als „stark gefährdet“, eine Onlinesucht zu entwickeln.

Aussagekräftige Studien hierüber gibt es bislang aber noch nicht. Einige Experten gehen sogar von bis zu zehn Prozent Süchtigen unter den Internetnutzern aus.

Süchtig nach Online(Rollen-)spielen und Chats

Laut Dr. Möller spielen computersüchtige Jungs meist Onlinespiele, während Mädchen sich eher in Chats und Communitys verlieren: „Jungs fühlen sich von technischen Aspekten und der Möglichkeit, Strategien zu entwickeln und anzuwenden, sehr angezogen.“

Vor allem Rollenspiele wie World of Warcraft (WoW) haben ein starkes Suchtpotential: Das „Spiel“ ist eigentlich gar kein richtiges Spiel, weil es kein Ende hat, sondern eher von der Entwicklung der einzelnen Spieler lebt. Man bewältigt Aufgaben, wird besser und stärker. Irgendwann gehört man zu einer Gemeinschaft (Gilde) und ist dort unverzichtbarer Bestandteil, hat in den anderen Spielern Freunde gefunden.

Entscheidend bei der Entwicklung der Spieler ist laut Dr. Möller die Intermittierende Verstärkung, also das Lernen durch nicht regelmäßig einsetzende Erfolge: „Auch in World of Warcraft klappt nicht immer alles, man fragt sich bei jeder neuen Aufgabe: Klappt es jetzt oder klappt es nicht? Das sind ähnliche Gefühle wie beim Glücksspiel.“

Behandlung der Computersucht

Wenn das Leben außerhalb von Computer und Internet so stark vernachlässigt wird und Betroffene auch keinerlei Interesse mehr an anderen Aktivitäten haben, was bis hin zum Schulabbruch oder dem Arbeitsplatzverlust führen kann, ist es sinnvoll, sich helfen zu lassen. Ohne Hilfe von außen ist das häufig nicht möglich.

Eine Therapie der Computersucht ist deshalb empfehlenswert. Viele Einrichtungen wie Suchthilfen, Selbsthilfegruppen, aber auch Therapeuten und Krankenhäuser haben sich mittlerweile auf die Therapie von Computersüchtigen eingestellt. 

Ursachen der Sucht erkennen und behandeln

Viel wichtiger als die Computersucht an sich ist das Erkennen und Behandeln der Ursachen für diese Sucht. Diese zugrunde liegenden Ursachen werden zum Beispiel auf Teen Spirit Island stationär behandelt. Die Jugendlichen lernen hier außerdem einen vernünftigen Umgang mit dem Computer, müssen also nicht komplett darauf verzichten. Nur Computerspiele sind während des Aufenthalts nicht erlaubt.

Kann man Computersucht eigentlich vorbeugen?

Am besten gewappnet gegen Computersucht sind Menschen mit einer stabilen Persönlichkeit. Entscheidend für die Entwicklung einer stabilen Persönlichkeit ist eine feste Verankerung im realen Leben durch verlässliche Beziehungen innerhalb der Familie und im Freundeskreis.

Die Erkenntnis, dass Computer und Internet Spielarten darstellen und kein Abbild des realen Lebens, ist dabei sehr wichtig. 

Hilfe suchen

Wenn Probleme im Freundeskreis auftreten, man sich allein und nicht verstanden fühlt, ist es sinnvoll, diese Schwierigkeiten anzugehen und mit jemandem zu sprechen, z.B. einem Lehrer, dem man vertraut, Freunden oder auch den Eltern. Auch Therapeuten bieten in solchen Lebenssituationen Hilfe an. Auch auf juuuport helfen wir dir, wenn du gemobbt wirst oder nicht weiter weißt.

 

Weitere Informationen zum Thema und Hilfe bei Computersucht findest du in unserer Linkliste:

- www.kinderkrankenhaus-auf-der-bult.de
Teen Spirit Island, die Therapiestation für drogenabhängige Kinder und Jugendliche im Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover

- Drogen- und Suchtbericht (Mai 2009)
Der Bericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung ist als PDF-Datei auf der Website des Bundesministeriums für Gesundheit downloadbar

- www.klicksafe.de
Das Online-Dossier "Computerspielesucht" bei Klicksafe

- www.onlinesucht.de 
Auf der Website des HSO 2007 e.V. (Hilfe zur Selbsthilfe für Onlinesüchtige und deren Angehörige) finden Betroffene Hilfe

- http://websucht.info
Informations- und Hilfeportal der Drogenhilfe Köln zum Thema Online-Sucht für Eltern, Internetuser und Pädagogen

- www.dicvberlin.caritas.de
Lost in Space – Beratung für Computerspiel- und Internetabängige der Suchtberatung der Caritas

- Buchtipp:
 Möller, Christoph: Jugend sucht. Ehemals Drogenabhängige berichten. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009

 

weitere spannende Web-Themen findest du hier

Autor: Karin
Erstellt am: 12.08.2010, 09:16
Überarbeitet am: 11.03.2012, 10:35
Tags: Community Internet und Technik Sonstiges

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